Manchmal braucht es einen kleinen Anstoss, um den nächsten Schritt zu wagen. Für Claudia Vonmoos war der Gewinn unseres WORTGEWANDT-Schreibwettbewerbs 2024 so ein Moment: Er hat sie ermutigt, mit ihren Texten an die Öffentlichkeit zu gehen – und schließlich ihr erstes Buch „Kunst ist, sich an morgen zu erinnern“* zu veröffentlichen.
Im 21. Interview unserer Blogreihe Autor*in im Gespräch erzählt sie u. a., wie sie den Weg zur Veröffentlichung erlebt hat und teilt praktische Tipps, wie es gelingt, beim Schreiben dranzubleiben.
INHALT
Stell dich bitte unseren Leser*innen vor:
Mein Name ist Claudia Vonmoos. – Nach meiner Ausbildung zur Musikerin in Basel und Luzern war ich als Pianistin und Klavierpädagogin tätig.
Über die Zeit entfernte ich mich immer mehr vom gängigen Musikbetrieb und kreierte spartenübergreifende Projekte, zu denen ich Kunstschaffende aus den Bereichen Literatur, Schauspiel, Tanz und Musik zur Zusammenarbeit einlud.
Mit solchen Programmen bespielten wir nicht nur Konzerträume, sondern auch Museen, Kleintheater, Coiffeursalons, Hotels, einen Hörsaal der ETH Zürich oder ein Spiegellabyrinth. – Ich liebe es, raumbezogen zu arbeiten.
Treffpunkt Schreiben: Du warst Konzertpianistin und hast an der Musik-Akademie Basel unterrichtet.
Wie bist du von der Musik zum Schreiben gekommen?
Der Umgang mit Texten war mir schon immer vertraut. In meinen musikalisch-szenischen Programmen arbeitete ich jedoch stets mit Fremdtexten.
Meine eigenen Notizen, Skizzen, Erzählungen etc. landeten damals noch in der Schreibtischschublade oder ich legte sie in einem Ordner ab.
Zur Zeit der Corona-Pandemie hat sich vieles geändert. Konzerte wurden abgesagt, man konnte weder Ferien planen noch Freunde treffen. – Plötzlich war da viel freie Zeit. Ich begann, sowohl Beobachtungen und Gedanken tagebuchartig festzuhalten, als auch meine Textsammlung hervorzuholen und zu überarbeiten. Ich schrieb stundenlang; an Gedichten, Betrachtungen, Erzählungen. Seither ist das Schreiben zu einem festen Bestandteil in meinem Leben geworden.
Treffpunkt Schreiben: Letztes Jahr hast du unter dem Titel “Kunst ist, sich an morgen zu erinnern“* eine Sammlung mit Miniaturen veröffentlicht.
Was war die größte Hürde bei der Umsetzung dieses Buchprojektes und was hat dir dabei am meisten Spaß gemacht?
Eine Herausforderung war es, die definitive Reihenfolge der Miniaturen festzulegen. Bis zum Schluss habe ich Änderungen vorgenommen, so lange, bis ich die Reihenfolge stimmig fand. Die Idee der Gliederung in fünf Teile hat mir in dieser Phase sehr geholfen.
Als ich wusste, dass der Verlag das Buch herausgeben wird, war ich voll motiviert. Ich genoss es, ein Ziel zu haben. Ich liebte die Intensität jener Tage, die fürs Schreiben reserviert waren: Schreiben am Vormittag zu Hause, Schreiben am Nachmittag im Kaffee oder unterwegs. Als Pianistin bin ich – es sei denn, ich „übe im Kopf“ – immer auf ein Instrument angewiesen. Doch Schreiben kann ich praktisch überall. Dazu brauche ich nur ein digitales Gerät oder Papier und Stift. Auch die Rückseite von Einkaufszetteln oder Quittungen eignen sich als Gedankenträger.
Treffpunkt Schreiben: Du hast dein Buch im Kiener-Verlag veröffentlicht.
Wie ist der Kontakt mit dem Verlag zustande gekommen?
Wir finden den Titel des Buches sehr spannend. Wie ist er entstanden? Und wie bist du auf den Untertitel „Miniaturen“ gekommen?
„Kunst ist, sich an morgen zu erinnern“* habe ich in meinen älteren Notizen gefunden und wusste sofort, dass ich den Satz als Buchtitel verwenden wollte. Drei Themen, die in meinen Texten immer wieder vorkommen, sind im Titel angedeutet: Kunst, Zeit und Absurdität. Immer wieder werde ich auf den Titel angesprochen. Schon deshalb bin ich froh, ihn gewählt zu haben. Er führt zu interessanten Gesprächen.
Für den Begriff „Miniaturen“ habe ich mich entschieden, weil er zu all meinen Texten in diesem Buch passt: Immer geht es um Kürze und Verdichtung, egal, ob es sich bei einem Text um ein Gedicht, eine kurze Geschichte, ein Miniaturessay, ein Stimmungsbild oder einen literarischen Schnappschuss handelt.
Treffpunkt Schreiben: Deine Miniaturen wirken extrem reduziert, aber gleichzeitig bedeutungsvoll.
Woran erkennst du, dass ein Text „genug“ ist und nicht noch etwas braucht?
Ich lese mir die Texte immer laut vor, um zu hören, ob der Rhythmus stimmt. Das ist für mich etwas Zentrales. Wenn ich mit einem Text auch nach einer längeren Überarbeitungsphase zufrieden bin und finde, dass er alles transportiert, was ich sagen möchte, schließe ich ihn ab. Kurze Texte müssen besonders präzis sein.
Gab es Ideen, die sich bewusst gegen die Form der Miniatur „gewehrt“ 😉 haben? Woran hast du gemerkt: Das passt nicht in diese Form?
Ja natürlich. Es ist schon vorgekommen, dass eine Idee ein längeres erzählendes Format brauchte. Die Miniatur war in dem Fall der Ausgangspunkt für eine Erzählung. – Umgekehrt ist es aber auch schon vorgekommen, dass ich bei einem längeren Text so lange an der Reduktion gearbeitet habe, bis nur noch die Essenz übrigblieb.
Treffpunkt Schreiben: Dein Buch ist in Abschnitte gegliedert, die jeweils mit einer Zeile eröffnet werden. Diese Zeilen wirken fast wie eigenständige Miniaturen. Kapitel 1 eröffnet beispielsweise mit “Gedanken sind biegsame Gebilde aus Glas”.
Welche Funktion haben diese “Leitzeilen” für dich? Haben sie die Richtung vorgegeben oder sind sie erst im Nachhinein aus den Texten heraus entstanden?
Die Zeilen sind als atmosphärischer Einstieg auf die darauffolgende Lektüre gedacht. Ich habe sie erst am Schluss aus den Texten herausgepickt und bewusst den fünf Teilen als Titel vorangestellt.
2024 hast du bei unserem WORTGEWANDT-Schreibwettbewerb gewonnen. Welche Bedeutung hatte dieser Gewinn für dein Schreiben?
Dieser Preis hatte eine ungeheure Bedeutung für mich. Ich bin mit meinen Texten ja erst 2022 an die Öffentlichkeit gegangen. Schon zwei Jahre später eine solche Bestätigung zu bekommen, war einfach überwältigend und verlieh mir einen großen Motivationsschub für mein weiteres Schreiben.
Welche Tipps hast du für Menschen, die ein Buchprojekt verwirklichen wollen? Was hilft dabei, dranzubleiben und das Schreiben bis zum fertigen Manuskript durchzuziehen?
Für mich war sicher von Vorteil, dass ich zu Beginn des Buchprojekts kaum an eine Veröffentlichung gedacht und allein den Prozess des Schreibens wertgeschätzt habe. Sehr wichtig für mich war eine Handvoll vertrauter Menschen, denen ich das Manuskript schon früh zum Lesen geben durfte. Von ihren Feedbacks habe ich viel profitiert. Meinem Mann als Erstleser möchte ich an dieser Stelle besonders danken.
Wertvoll finde ich auch, sich immer wieder mit Gleichgesinnten auszutauschen. Diese Erfahrung machte ich unter anderem an den Schreibwochenenden bei Treffpunkt Schreiben in Wien und während meiner Weiterbildung im „Lehrgang Literarisches Schreiben“ in Zürich.
Man darf nicht erwarten, dass die Sätze immer locker aus der Feder fließen. Oft hilft bei Blockaden, das Buchprojekt für ein paar Tage zu vergessen und etwas ganz anderes zu schreiben. Oder vielleicht auch mal nichts zu schreiben und stattdessen zu lesen. – Ich liebe diesen Satz von Jorge Luis Borges: „Lesen ist Denken mit fremdem Gehirn.“ – Wie erfrischend!
Hier findest du weitere Infos zu Claudia Vonmoos:
- E-Mail: claudia_vonmoos@bluewin.ch
- Soziale Medien:
Interviews mit Claudia:
Alle Folgen unserer Interviewreihe Autor*in im Gespräch zum Nachlesen:
- Interview 1: Alexander Greiner: “Als ich dem Tod in die Eier trat”
- Interview 2: Klaus Rafenstein: “Der Weg zur exzellenten Führungskraft – Leuchtturm sein!”
- Interview 3: Lena Raubaum: “Die Knotenlöserin”, “Qualle im Krankenhaus”, Qualle im Tierheim”
- Interview 4: Barbara Wimmer: „Tödlicher Crash“
- Interview 5: Bardia Monshi, Mathias Berthold: “Positiv Denken allein hilft auch nicht.”
- Interview 6: Nachgefragt: Alexander Greiner (Ein Jahr nach der Buchveröffentlichung
- Interview 7: Martina Onyegbula: “Herzasche und Frauenflügel”
- Interview 8: Uwe Mauch & Karin Niederhofer:„Wie wir Oldies wischen
Eine Generation lernt Handy“
- Interview 9: Katharina Werth: “Nimm mich! Beruflich durchstarten mit einer herausragenden Bewerbung”
- Interview 10: Yvonne Lacina-Blaha: “Ich liebe dich.Punkt.Trotz Ausrutscher”
- Interview 11: Raphaela Aigner: “Ausnahmsweise Kochbuch”
- Interview 12: Veronika Jungwirth und Ralph Miarka: “Agile Teams lösungsfokussiert führen”.
- Interview 13: Andrea Malfèr : “Hanni Hase”
- Interview 14: Sigrid Obermair: “Lungomare. Gedichte vom Süden”
- Interview 15: Marcus Fischer: “Die Rotte”
- Interview 16: Daniel Bleckmann: “KoboldKroniken”
- Interview 17: Anke Ernst: “Einfach können – GUTE TEXTE”
- Interview 18: Vera Zischke: “Ava liebt noch”
- Interview 19: Diana Hillebrand: “15+ veröffentlichte Bücher”
- Interview 20: Chris Warnat: “Fünfzehn Sekunden”
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