Kreatives Schreiben

Autor*innen im Gespräch 7: Martina Onyegbula („Herzasche und Frauenflügel“)

Sonja
Geschrieben von Sonja

Wir freuen uns über das Interview mit der Autorin, Martina Onyegbula, die im Juli 2020 ihren Gedichtband „Herzasche und Frauenflügel“ veröffentlicht hat.

Im Gespräch beantwortet Martina Onyegbula u.a. folgende Fragen:

  • Wie ist es ihr gelungen ihren Lebenstraum vom eigenen Buch umzusetzen?
  • Welche Bedeutung hat Schreiben in ihrem Leben?
  • Weshalb hat sie lange keine Bücher zum Thema „Schreiben“ gelesen?
  • Welchen Tipp hat sie als alleinerziehende Mutter von drei Töchtern für Menschen, die meinen keine Zeit zum Schreiben zu haben?
  • Was hält Martina vom Schreiben in Gruppen?
  • Und welche Bedeutung hat das „Hören aufs eigene Herz“ für Schreibende?
Viel Spaß beim Lesen!

Vorstellung:

Ich bin Dichterin, alleinerziehende Mutter dreier Kinder, arbeite als Teamleiterin in der Betreuung alter Menschen. Kreativität ist ein wichtiger Teil meines Lebens. Ich schreibe, male, gestalte, fotografiere. Außerdem träume, tanze und lache ich gerne und mag es für Familie und Freunde zu kochen und gemeinsam zu essen. Ich mag die Begegnungen und den Austausch mit Menschen und schätze kurze Auszeiten in der Natur.
Die kürzeste Selbstbeschreibung, aus einer meiner Gedichte: „Ich bin ein Frauenmensch, bunt geblümt und glaube an die Liebe“.

1. Wie hast du Schreiben für dich entdeckt und wie lange schreibst du schon?

Ich habe schon in der Schule gerne Geschichten geschrieben. Gedichte schreibe ich seit dem Jahr 2000, wobei es immer wieder Pausen gab. Davor habe ich immer wieder kurze Texte oder auch kurze Songtexte, nur so für mich, geschrieben, die Vorstufe zu den späteren Gedichten.

2. Wann hattest du die Idee, ein Buch zu schreiben? Wie kam es dazu?

Die Idee, meine Gedichte zu einem Band zusammen zu fassen, hatte ich schon vor Jahren. Langsam reifte diese Idee heran und wurde konkreter. Ich wählte für diesen ersten Lyrikband Gedichte, die einen Erzählbogen spannen. Mir gefiel die Idee, mit Gedichten die Geschichte einer Liebe zu erzählen.

3. Ich höre oft: „Mir fehlt die Zeit zum Schreiben“. Du bist alleinerziehende Mutter von drei Töchtern – wie schaffst du es „trotzdem“ zu schreiben?

Ich schreibe immer und überall, wenn mir eine Idee zufliegt, ein Wort, ein Bild, ein Gedanke aufsteigt, diese in mein Notizbuch.

Manches Mal ist es ein fast fertiges Gedicht, das mir in der Straßenbahn einfällt, manches Mal ein schönes Wort, das mir bei einem Spaziergang in den Sinn kommt oder ich notiere meine Gedanken zu einem Thema,  beim Lesen eines Buches oder Zeitungsartikels. Ich nehme mir Zeit, oft nur ein paar Minuten, über Begegnungen und Beobachtungen zu schreiben.

Das Schreiben ist eine Möglichkeit die Welt zu begreifen und für mich zu einer Gewohnheit geworden. Ich lasse mich dabei gerne „von der Muse küssen“, es ist mir jedoch auch möglich, mich gezielt hinzusetzen und zu Schreiben. Das ist Übungssache. Als alleinerziehende Mutter mit einem anspruchsvollen Beruf, kommt es im Zeitplan für meine Schreibprojekte durch den Alltag immer wieder anders, als ich es gedacht habe. Das als normal anzunehmen, innerlich dran zu bleiben und auch kleine Gelegenheiten zu nutzen, ist mein Weg trotzdem zu Schreiben.

Die Antworten zu diesem Interview schreibe ich bspw. gerade während ich mit meinen Kindern im Zug nach Bregenz sitze.

4. Hattest du einen Buch-Projektplan? 

Zunächst hatte ich keinen konkreten Plan. Ich habe einfach Gedichte geschrieben. Dabei empfand ich mich zunehmend als Dichterin. Das fühlte sich richtig und wichtig für mich persönlich an. So beschloss ich, aus meinen Gedichten ein Buch zu machen und daraus wurde bald ein gedankliches Projekt, die Geschichte eines Paares und ihrer Liebe zu erzählen. Noch während ich an diesem ersten Band arbeitete, begann ich bereits mit einem zweiten Band.

5. Gab es einen Moment, in dem du daran gezweifelt hast, ob du das Buch fertigstellen wirst?

Eigentlich nicht. Ich war sicher, den Gedichtband fertigzustellen und ebenso den Zweiten und dann immer weiter zu schreiben. Ich habe mir kein Zeitlimit gesetzt. Es ging nur darum, einen Lebenstraum zu leben, ein Vorhaben umzusetzen. Der Wunsch, die Gedichte zu veröffentlichen wuchs. Es gab Zeiten, wo ich nur sehr wenig schrieb, aber ich hielt meinen Traum wach. Dabei war ich aber realistisch genug zu wissen, dass es heutzutage schwierig ist als unbekannte Autorin, noch dazu mit Lyrik, einen Verlag zu finden und Erfolg zu haben. Davon ließ ich mich jedoch nicht beirren. Ich vertraute darauf, dass es kommt, wie es gut ist.

6. Dein Buch trägt den ansprechenden Titel „Herzasche und Frauenflügel“, wie entstand er?

Der Titel entstand aus der Geschichte, die die Gedichte erzählen. Angelehnt an dem Bild „der Phönix, der sich aus der Asche erhebt“, im Fall meines Buches „die Phönixin“. Um es mit Worten aus einem meiner Gedichte zu sagen „Liebe im Transformationsgeschehen“. Daniela Luschin, eine tolle Künstlerin, die ich über eine liebe Freundin kennengelernt habe, hat ein ansprechendes Bild für den Umschlag gezeichnet und auch die Illustrationen im Band stammen von ihr.

7. Du hast dein Buch in dem Verlag „Edition Libica Simone Stefanie Klein“ veröffentlicht. Wie kam der Kontakt mit dem Verlag zustande? 

Durch die Empfehlung einer Schreibkollegin, während eines Schreibretreats in Piran, bei dem ich die Überarbeitung meines Gedichtbandes abgeschlossen und daraus vorgelesen habe. Ana Znidar von Creative Writing und die teilnehmenden Frauen haben mich ermutigt, den Lyrikband bei einem Verlag zu veröffentlichen.

8. Wäre Self-Publishing für dich eine Option gewesen?

Nein. Ich wollte es über einen Verlag schaffen und damit eine Basis bekommen, als Dichterin wahrgenommen und anerkannt zu werden.

9. Worauf sollen Menschen, die Schreiben möchten, achten?

Spontan sage ich „auf ihr Herz“. Damit meine ich, sich klar machen, was ihnen Schreiben bedeutet und ihrem Traum folgen. Und ergänzend dazu, erkennen und entscheiden, was sie mit dem Schreiben erreichen wollen. Sich informieren, wie sie ihre Ziele erreichen können, auch wenn es nur in kleinen Schritten voran geht, dranbleiben. Sich also dem Schreiben und ihrer Ideen „zu verschreiben“. Und ganz wichtig: sich mit anderen austauschen, vernetzen, mutig sein und nach außen gehen.

10. Hast du Schreibseminare besucht und/oder Bücher zum Thema „Schreiben“ gelesen, die du empfehlen kannst?

Erst nachdem ich einige Jahre geschrieben habe, begann ich Schreibworkshops zu besuchen. Empfehlen kann ich das „writers studio“ und Ana Znidar „creative writing“, ebenso die Frauenschreibwerkstatt von Barbara Neuwirth und Workshops mit Silvia Waltl.

In einer Gruppe zu schreiben hat eine andere Qualität und wirkt sehr inspirierend. Außerdem kann man das Lesen der eigenen Texte in diesem geschützten Rahmen für sich ausprobieren und erhält erstes Feedback.

Bücher zum Schreiben habe ich lange nicht gelesen. Es war ja nicht mein Plan Schreiben zu lernen, sondern ich habe einfach geschrieben, meist Gedichte.

Schreiben ist eine Möglichkeit die vielen Eindrücke, die das Leben bietet, zu verarbeiten, Erlebtes zu reflektieren, Gedanken zu ordnen, zu verdichten.

Erst letztes Jahr habe ich dann das Buch „Big Magic*“ von Elizabeth Gilbert gelesen und mich in meinem Tun bestätigt gefunden. Ein ermutigendes, inspirierendes Buch für alle Schreibenden.

11. Gibt es eine Frage, die ich nicht gestellt habe, die du allerdings gerne beantwortet hättest 😉?

Mein erwähnter zweiter Lyrikband mit dem Titel „Herzatem“ ist fertig und in Vorbereitung zur Veröffentlichung. Derzeit schreibe ich parallel an drei weiteren Gedichtbänden. 

An mehreren Projekten gleichzeitig zu arbeiten, lässt Freiheit und Breite in den Themen zu, mit denen ich mich beschäftigen möchte. So kann ich mich, je nach Stimmung und Inspiration, in eines der Projekte abwechselnd vertiefen. Da ich keinen Zeitdruck habe, genieße ich diese kreative Vielfalt zu leben.

Herzlichen Dank für das Gespräch!

Links: 

Hier findest Du weitere Infos: 

Du hast die ersten Folgen unserer Interviewreihe „Autor_innen im Gespräch“ versäumt? Hier kannst du sie nachlesen:

Interview 1: Alexander Greiner: „Als ich dem Tod in die Eier trat“

Interview 2: Klaus Rafenstein: „Der Weg zur exzellenten Führungskraft – Leuchtturm sein!“

Interview 3: Lena Raubaum: „Die Knotenlöserin“, „Qualle im Krankenhaus“, Qualle im Tierheim“

Interview 4: Barbara Wimmer: „Tödlicher Crash“

Interview 5: Bardia Monshi, Mathias Berthold: „Positiv Denken allein hilft auch nicht.“

Interview 6: Alexander Greiner: „Nachgefragt: Ein Jahr nach der Buchveröffentlichung“

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Bildquellen: Fotos zur Verfügung gestellt von Martina Onyegbula ; Buchcover: Verlag Edition Libica Simone Stefanie Klein

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2 Kommentare

  • Hallo, ich bin auch begeisterte Hobbyschreiberin und schreibe auch gerade an Kurzgeschichten. Das Interview habe ich mit sehr viel Interesse gelesen und bin jetzt davon überzeugt, dass ich das richtige tue, nämlich schreiben. Ich bin aber noch am überlegen, ob ich mein Buch mit Kurzgeschichten über einen Verlag mache, oder Self Publishing. Bei einem Verlag wird einem halt vieles abgenommen, da muss man schon genau abwägen was man tun möchte. Ich habe auch schon immer viel geschrieben und gelesen. Ich bin der Meinung, dass man sehr viel lesen muss um sich gekonnt auszudrücken. Ich wünsche Frau Onyegbula das beste und hoffe, dass sie jetzt richtig durchstarten kann. Durch dieses sehr gute Interview habe ich viele Denkanstösse erhalten und bin voller Tatendrang.
    LG Eva

    • Liebe Eva,
      herzlichen Dank für deinen Kommentar!
      Wir freuen uns, dass dich das Interview mit Martina Onyegbula inspiriert hat und über deinen Tatendrang.
      Die Entscheidung, ob man ein Buch im Self-Publishing oder über einen Verlag veröffentlicht beschäftigt viele Autor*innen und ist nicht einfach zu treffen. Beides hat Vor- und Nachteile.
      Wir wünschen dir jedenfalls weiter viel Spaß beim Schreiben deiner Kurzgeschichten und viel Erfolg für die Veröffentlichung deines Buches.
      Alles Liebe,
      Sonja

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