Kreatives Schreiben

WORTGEWANDT Sammelfeedback: So hat dein Text mehr Chancen bei Schreibwettbewerben

Feedback, Tipps, mehr Chancen bei Schreibwettbewerben, Treffpunkt Schreiben
Geschrieben von Veronika
Mehr Chancen bei Schreibwettbewerben, Tipps Schreibwettbewerbe, Sammelfeedback WORTGEWANDT, Treffpunkt Schreiben

2022 haben wir unseren ersten WORTGEWANDT-Schreibwettbewerb veranstaltet. Nach der Veröffentlichung der 15 Siegertexte werden wir einen wichtigen Punkt auf unserer Schreib-Bucket-List abhaken können 🙌✅.

Insgesamt haben uns 392 Geschichten erreicht. Danke! 🙏 Wir waren überwältigt und haben als Jury-Mitglieder einen Sommer lang mit Begeisterung gelesen. 🥳

Leider schaffen wir es nicht, zu jedem eingereichten Text individuell Feedback zu geben. Aus eigener Erfahrung wissen wir aber, wie wertvoll eine konstruktive Rückmeldung für das eigene Schreiben sein kann. Daher haben wir uns entschlossen, unsere Leseeindrücke in einem Sammelfeedback zusammenzufassen.

Beim Zusammentragen der einzelnen Punkte für diese Rückmeldung an die WORTGEWANDT- Teilnehmer*innen konnten wir auch für unser eigenes Schreiben einiges mitnehmen. So ein Perspektivenwechsel zahlt sich also aus 🤯​.

Aus diesem Grund veröffentlichen wir das Sammelfeedback auch als Blogbeitrag. So können alle unsere interessierten Leser*innen davon profitieren.

Wichtig: JEDER Text hat Stärken

Beim persönlichen Textfeedback ist es aus unserer Sicht besonders wichtig, die gelungenen Stellen und Stärken herauszuarbeiten. Bei einem Sammelfeedback lassen sich aber gerade diese individuellen Punkte kaum sinnvoll zusammenfassen. Zumindest uns scheint es so, nachdem wir bei dem Versuch kläglich gescheitert sind.

Was wir aber unbedingt festhalten wollen: JEDER Text, den wir durchgelesen haben, hatte Stärken. 💪​

Wir durften vielschichtige Figuren kennenlernen, uns in unterschiedliche (Gefühls-)Welten begeben, mitreißende Dialoge lesen und unvorhersehbare Wendungen miterleben. Es gab Beschreibungen, die so gelungen waren, dass die Szenen zum Leben erweckt wurden. Texte, die uns zum Nachdenken gebracht haben, zum Schmunzeln und ja, manchmal hatten wir auch Tränen in den Augen.

Inhalt

Wichtig, um deine Chancen bei Schreibwettbewerben zu erhöhen: Arbeite die Stärken deines Textes heraus und präsentiere sie bestmöglich. Dafür musst du auch sicherstellen, dass es keine Schwachstellen gibt, die die Qualität mindern.

Aber wo kannst du bei der Textüberarbeitung ansetzen, um deine Ideen von ihrer besten Seite zu präsentieren? 🤔​

Nach fast 400 gelesenen Wettbewerbstexten haben wir da ein paar Tipps 💡 für dich. 

Erfülle die Formalvorgaben des Wettbewerbs

Bei Schreibwettbewerben gibt es Formalvorgaben, die die eingereichten Texte einhalten sollten (z. B. Textumfang, Formatierung, Form der Einreichung). Auch wir haben solche Vorgaben definiert. Diese waren kein Selbstzweck, sondern sollten uns die organisatorische Abwicklung des Wettbewerbs erleichtern.

Nach dem Ende der Einreichfrist mussten wir leider feststellen, dass mehr als 10 % der eingesandten Texte mindestens eines der festgelegten Kriterien nicht erfüllt haben. Sie konnten daher nicht in die weitere Bewertung aufgenommen werden.

Wichtig, um deine Chancen bei einem Schreibwettbewerb zu erhöhen: Prüfe genau, ob dein Text wirklich ALLE Formalvorgaben erfüllt. Nimm dir dafür ausreichend Zeit. Auch sehr gute Texte werden im Auswahlprozess nicht berücksichtigt, wenn sie diesen Mindestanforderungen nicht entsprechen.

Dein Text muss einen klaren Bezug zum Wettbewerbsthema aufweisen

Die „Umsetzung des Themenbezugs“ war ein Bewertungskriterium der Jury des WORTGEWANDT Schreibwettbewerbs.

Bei einigen Texten hatten wir allerdings Schwierigkeiten, eine klare Verbindung zum Wettbewerbsthema herzustellen. In den Bewertungen finden sich dann Kommentare wie „ein sehr guter Text, aber ich sehe keinen Bezug zum Thema“.

Am anderen Ende des Spektrums gab es Texte, in denen die Verknüpfung sehr plakativ war. Das Thema „nur ein Wort“, wurde dann in einer Art Zusammenfassung wörtlich aufgegriffen. Hier ein paar Beispiele zur Veranschaulichung:

  • „Ach hätte er dieses eine Wort nur nicht gesagt.“
  • „Es hatte sich durch dieses eine Wort entschieden.“

Für das Leseverständnis waren diese Feststellungen nicht notwendig. Der/Die Leser*in wäre aufgrund der Handlung und des Dialogs selbst zur entsprechenden Erkenntnis gelangt.

Wichtig, um deine Chancen bei einem Schreibwettbewerb zu erhöhen: Prüfe, ob in deinem Beitrag ein Bezug zum Wettbewerbsthema erkennbar ist. Die Umsetzung des Themas im Text muss dabei nicht wortwörtlich passieren. Der/die Leser*in sollte nach dem Lesen aber problemlos in der Lage sein, den Themenbezug festzumachen.

Finde einen ansprechenden Titel

Einen guten Titel für die eigene Kurzgeschichte zu finden, ist gar nicht so einfach. Es lohnt sich aber hier Zeit zu investieren. Ein gelungener Titel kann Lust aufs Lesen machen und der Geschichte noch einmal eine andere Perspektive geben.

Ein Beispiel für einen Titel, der uns sofort neugierig werden hat lassen, ist „Bananenschweigen“. Der dazugehörige Text von Jasmin Riter hat es auch auf unsere Shortlist geschafft.

Einige Titel im Wettbewerb haben “ihren” Text nicht „unterstützt“. Sie haben schon zu viel verraten und die Handlung oder die Pointe vorweggenommen.

Obwohl wir in der Ausschreibung darauf hingewiesen haben, dass das Thema des Wettbewerbs nicht der Titel des eingereichten Textes sein soll, wurden trotzdem Beiträge eingereicht, die „nur ein Wort“ im Titel trugen. Originalität und Kreativität waren Teil unserer Bewertungskriterien, daher gab es in diesen Fällen Abzüge bei der Bewertung.

Wichtig, um deine Chancen bei einem Schreibwettbewerb zu erhöhen: Ein guter Titel ist eine Möglichkeit den/die Leser*in neugierig zu machen und dich von anderen Texten abzuheben. Nimm dir Zeit, den passenden Titel zu finden. Entwickle mehrere Varianten, bevor du dich entscheidest. Überlege dabei, ob dein Titel deinen Text unterstützt oder ob er ihm Spannung nimmt. Das Thema des Wettbewerbs sollte nicht der Titel deiner Geschichte sein. (Ausnahme: Dies wird in der Ausschreibung dezidiert gefordert.)

Lass den/die Leser*in etwas erleben, was er/sie so noch nicht kannte

Ein origineller oder kreativer Text sticht heraus. Er bleibt in Erinnerung.

Gerade bei den eingereichten Kurzgeschichten zum Thema Liebe gab es allerdings Erzählmuster, die sich sehr ähnlich waren. Da brauchte es schon ein ungewöhnliches Setting oder besonders einzigartige Charaktere, um herauszustechen.

Auch bei dem „nur einen Wort“, um das sich die Geschichte dreht, fiel die Wahl übermäßig oft auf „Ja“ und „Nein“. Vielleicht, weil sie in der Ausschreibung erwähnt wurden?

Es lohnt sich daher, bei der Ideenfindung etwas tiefer zu graben und bekannte Wege zu verlassen.

So kann beispielsweise ein ungewöhnlicher Perspektivenwechsel zusätzliche Spannung aufbauen. Ein gutes Beispiel dafür ist der Wettbewerbsbeitrag „Sommerflirren“ von Maritha Hermanns, der aus einer unerwarteten Perspektive erzählt ist und es auf den 3. Platz geschafft hat.

Sei unverwechselbar, eigentümlich, außergewöhnlich, merkwürdig im besten Sinne des Wortes.

Sebastian Fitzek, Masterbook, S. 42

Wichtig, um deine Chancen bei einem Schreibwettbewerb zu erhöhen: Ein kreativer Text, der dem Leser/der Leserin eine Perspektive vermittelt, die er/sie bisher noch nicht kannte, hebt sich ab und bleibt in Erinnerung.

Setze dich mit der geforderten Textsorte auseinander

Während das Genre bei unserem Wettbewerb frei wählbar war, haben wir die Kurzgeschichte als Textsorte klar festgelegt. Inwieweit die Texte die Merkmale dieser Textsorte erfüllt haben, ist in unsere Bewertung eingeflossen.

Eingereichte Texte, die aus unserer Sicht (auch bei einer sehr weiten Auslegung) keine Kurzgeschichten waren, sondern Essays, Berichte oder Lyrik haben wir nach dem ersten Lesen ausgeschlossen, da sie ein wesentliches Ausschreibungskriterium nicht erfüllt haben.

Hier ein paar typische Merkmale einer Kurzgeschichte, die du bei deiner Textüberarbeitung kritisch prüfen kannst.

Kurzgeschichten sind kurz 😉

Kurzgeschichten bringen die Handlung auf den Punkt. Sie sind kurz und knackig geschrieben. Wir wissen aus eigener Erfahrung, dass es wehtun kann, Textstellen zu kürzen, die besonders gelungen erscheinen. Trotzdem hatten wir bei einigen Texten den Eindruck, dass sie durch eine Straffung der Handlung oder das Kürzen von langen Beschreibungen an Qualität gewonnen hätten.

Direkter Einstieg

Während es in Romanen eine Einleitung gibt, in der das Setting und die Figuren eingeführt werden, haben Kurzgeschichten einen direkten Einstieg. Der/Die Leser*in startet gleich in der Mitte des Geschehens.

Leider haben nicht alle Texte die Chance auf einen kraftvollen Einstieg voll ausgenutzt.

Es gibt nur einen Handlungsstrang

Eine Kurzgeschichte “verträgt“ in der Regel nur einen Handlungsstrang. Ansonsten besteht die Gefahr, dass der Text verwirrend wird oder an der Oberfläche bleibt.

Es gab Beiträge im Wettbewerb, aus denen man gleich drei tolle Kurzgeschichten herausarbeiten hätte können, so vielfältig war die Handlung.

Vor allem bei Texten, bei denen wir einen autobiografischen Bezug vermuten, ist die Einschränkung auf einen Handlungsstrang beziehungsweise einen Konflikt zu kurz gekommen. Alles schien wichtig und von großer Bedeutung. Als Konsequenz blieb uns als Leser*innen der Kern der Geschichte verborgen.

Wichtig, um deine Chancen bei einem Schreibwettbewerb zu erhöhen: Setze dich mit der im Wettbewerb geforderten Textsorte auseinander. Was sind ihre wichtigsten Merkmale? Inwieweit erfüllt sie dein Text?

Mach dich mit dem Handwerkszeug des kreativen Schreibens vertraut

Auch die Kriterien “Sprache und Stil” sind in unsere Bewertung eingeflossen. Die Anmerkungen in diesem Bereich waren sehr individuell. Trotzdem möchten wir folgende zwei Punkte herausstreichen:

Dialoge sind wichtig

Ein guter Dialog hilft, Figuren zu charakterisieren und bringt die Handlung voran. Nicht jeder Text braucht (mehr) Dialog, aber es gab eingereichte Kurzgeschichten, die von mehr oder stärkeren Dialogen profitiert hätten.

Show don’t tell

Show don’t tell also frei übersetzt zeigen und nicht erzählen lautet eine wichtige Technik im kreativen Schreiben. Wer zeigt, lässt bei dem/der Leser*in innere Bilder entstehen und fesselt ihn mit seiner Geschichte. Wer sich mit dem Show don’t tell-Prinzip noch nicht auseinandergesetzt hat, dem empfehlen wir das zu tun und den eigenen Text nochmals dahingehend kritisch zu überarbeiten.

Wichtig, um deine Chancen bei einem Schreibwettbewerb zu erhöhen: Mach dich mit unterschiedlichen Techniken des kreativen Schreibens vertraut. Achte darauf, dass dein Text den/die Leser*in mit allen Sinnen anspricht. Stell dir beim Überarbeiten die Frage, ob die Emotionen deiner Figuren im Text spürbar sind und beim Lesen innere Bilder entstehen.

Gewinne Abstand zu deinem Text und prüfe ihn dann auf logische Fehler

Es gibt sie, die kleinen Fehler, die den Lesefluss stören. Sie holen uns (Leser*innen) aus der Geschichte heraus und bringen uns zum Grübeln. Da stimmt doch was nicht? 🤔

War die Protagonistin nicht gerade noch blond, warum hat sie jetzt rote Haare? Die waren mit einem Hund unterwegs, wo ist der eigentlich hingekommen? Die Aufgaben sollen doch zufällig zugeteilt worden sein, warum ist sich diese Schülerin jetzt sicher, dass der Lehrer sie speziell für sie ausgewählt hat?

Wir sind in einigen Texten auf solche Unstimmigkeiten gestoßen. Wenn man als Jurymitglied – so wie wir bei diesem Wettbewerb – das Glück hat, aus einer Vielzahl an sehr guten Beiträgen wählen zu können, sind es solche Kleinigkeiten, die entscheiden, ob ein Text in die nächste Runde kommt oder nicht.

Wichtig, um deine Chancen bei einem Schreibwettbewerb zu erhöhen: Nimm dir Zeit für die Textüberarbeitung verbinde – auch auf inhaltlicher Ebene – alle Details zu einer stimmigen Geschichte. Versuche vor dem Überarbeiten etwas Abstand zum Text zu bekommen. Hole Textfeedback ein und stelle dabei konkrete Fragen zu diesen Punkten z. B.: Gibt es eine Stelle, bei der du aus dem Lesefluss gekommen bist? Ist etwas unklar geblieben?

Feinschliff: Grammatik, Rechtschreibung, Wort-Wiederholungen und unvollständige Sätze

Ja, wir haben in fast jedem Text Grammatik- und/oder Rechtschreibfehler gefunden. Das können wir gut nachvollziehen. Wer den eigenen Text schon oft überarbeitet hat, wird, was die „kleinen Fehler“ betrifft textblind. 

Gleiches gilt für Wort-Wiederholungen. Diese wurden (aus unserer Sicht) in den seltensten Fällen bewusst als Stilmittel eingesetzt. Wir vermuten daher, sie resultieren aus Unachtsamkeit und deuten auf fehlende Überarbeitung hin. 

Auch unvollständige Sätze waren häufige Fehler, die wir hier erwähnen möchten. 
 
Gerade in den letzten Jury-Diskussionen, wo es darum ging, aus sehr guten Texten jene auszuwählen, die auf die Shortlist kommen, waren es die oben angeführten Punkte im Bereich „Feinschliff“, die den Ausschlag gaben. 
Wichtig, um deine Chancen bei einem Schreibwettbewerb zu erhöhen: Der Feinschliff ist nicht zu unterschätzen. Grammatik-, Rechtschreibfehler, Wort-Wiederholungen oder unvollständige Sätze können entscheidend sein. Verwende die Rechtschreibprüfung in deinem Textverarbeitungsprogramm. Lies dir deinen Text laut vor, um Fehler besser wahrnehmen zu können. Du kannst auch Wort für Wort von hinten nach vorne lesen. Auf diese Weise sind Rechtschreibfehler leichter zu entdecken. Wenn du jemanden kennst, der bereit ist, deinen Text Korrektur zu lesen, ist dies eine wertvolle Hilfe.

Das waren sie unsere Tipps für mehr Chancen bei Schreibwettbewerben. ✍️​ Wir hoffen du konntest für deinen Text etwas mitnehmen und wünschen dir viel Erfolg bei deiner nächsten Einreichung 👍​.

Du denkst wir haben in unserem Beitrag einen essentiellen Punkt vergessen? Schreib uns einen Kommentar. Wir freuen uns von dir zu lesen! 🤗

Planen! Schreiben! Einreichen! Jubeln!
So lautet das Motto unseres VOLL MOTIVIERT! Workshop-Pakets. Wir begleiten dich durch dein Schreibjahr 2023. Du wirst Teil einer Gruppe Schreibfreudiger, erhältst Textfeedback und kannst deinen persönlichen Schreibstil weiterentwickeln.
Interessiert? Details findest du hier.

Du willst keinen Beitrag versäumen? Wir informieren dich gerne, sobald ein neuer Beitrag online ist: Ja, ich will den Blog abonnieren.

12 Kommentare

Kommentar hinterlassen