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Was sind Morgenseiten?

Morgenseiten erklärt von Treffpunkt Schreiben, aufstehen und schreiben
Veronika
Geschrieben von Veronika

Sonja und ich sind der Meinung, dass Schreiben eine Kompetenz ist, die möglichst viele Menschen für sich nutzen sollten – völlig unabhängig davon, ob sie vorhaben Texte zu veröffentlichen oder nicht, Schriftsteller*in sind oder nicht, leidenschaftlich schreiben oder nicht, schreiben wollen oder schreiben müssen. 

Wir finden also gerade jene Schreibmethoden toll, die vielseitig einsetzbar und einfach umzusetzen sind.

Das Konzept der Morgenseiten erfüllt diese Kriterien. Es ist einfach, aber sehr wirkungsvoll. Entwickelt hat es die amerikanische Schriftstellerin Julia Cameron. Sie stellt es in ihrem Buch Der Weg des Künstlers* detailliert vor.

Eine letzte Zusicherung: Die Morgenseiten werden bei Malern, Bildhauern, Dichtern, Schriftstellern, Rechtsanwälten und Hausfrauen wirken - bei jedem nämlich, der etwas Kreatives ausprobieren möchte. Denken Sie nicht die Morgenseiten seien ein Werkzeug ausschließlich für Schriftsteller. Das ist Humbug.

Julia Cameron (Der Weg des Künstlers)

Warum/Wann können Morgenseiten für mich hilfreich sein?

Damit Sie Ihre Kreativität fördern können, müssen Sie sie zunächst einmal finden. Um dieses Ziel zu erreichen, bitte ich Sie, ein auf den ersten Blick sinnloses Verfahren anzuwenden das Schreiben von Morgenseiten.

Julia Cameron (Der Weg des Künstlers)

Morgenseiten sind laut Julia Cameron ein Weg zum Erschließen der eigenen Kreativität. Sie helfen dir die eigene, innere Stimme zu überwinden, die deine neuen und unkonventionellen Gedanken und Ideen sofort zensiert.

Ich habe das Schreiben von Morgenseiten kennengelernt, während ich an meiner Diplomarbeit gearbeitet habe (mehr dazu in meinen wichtigen Schreibmomenten ;-)).  Seitdem schreibe ich zwar nicht durchgehend Morgenseiten, aber ich greife auf diese Methode immer wieder zurück. Sie hilft mir:

  • In einen Schreibrhythmus zu kommen
  • Erst einmal alle Gedanken loszuwerden, um dann fokussiert in eine Aufgabe zu starten
  • Probleme aus unterschiedlichen Perspektiven zu betrachten
  • Neue Ideen zu entwickeln
  • In schwierigen Lebensphasen meine Gedanken zu ordnen und den „Überblick“ zu behalten

Wie schreibe ich Morgenseiten?

Bringen Sie alles zu Papier. Füllen Sie drei Seiten.

Julia Cameron (Der Weg des Künstlers)

Die Idee ist simpel. Jeden Tag in der Früh, möglichst nach dem Aufstehen, setzt du dich hin und schreibst mit der Hand drei A4-Seiten voll. Du schreibst anspruchslos und ohne Ablenkung einfach alles (ja wirklich alles) auf, was dir in den Sinn kommt.

Rechtschreibung? Grammatik? Inhalt? Struktur? Völlig nebensächlich! Du liest nicht zurück. Du besserst keine Fehler aus. Eine schriftliche Gehirnentleerung. Es gibt kein Falsch oder Richtig, keinen guten oder schlechten Text. Alle Gedanken sind ok.

Schreibe regelmäßig

Julia Cameron betont, dass es wichtig ist, Morgenseiten regelmäßig zu schreiben – jeden Tag. Auch wenn du einmal nicht motiviert oder müde bist, gilt es dranzubleiben und trotzdem zu schreiben.

Wenn du die Methode ausprobierst, empfehle ich dir, für einen Zeitraum von mindestens 30 Tagen täglich Morgenseiten zu schreiben. Zielloses, anspruchsloses „Drauflos-Schreiben“ ist nicht für jeden/jede von Anfang an leicht. Für viele entfaltet sich erst nach einiger Zeit und Übung das volle Potenzial dieser Schreibmethode.

Ich persönlich lege bei den Morgenseiten immer wieder Pausen ein. Manchmal gelingt mir das tägliche Schreiben einfach nicht oder ich habe so viel zu tun, dass ich mir dafür keine Zeit nehmen kann/will. Ich bin aber bis jetzt nach jeder Pause zu dieser Schreibmethode “zurückgekehrt”.

Schreibe mit der Hand

Morgenseiten schreibst du mit der Hand. Das klingt vielleicht erst einmal abschreckend oder zumindest sehr oldschool ;-), weil die meisten Texte heutzutage auf der Tastatur entstehen.

Texte handschriftlich zu Papier zu bringen hat aber viele Vorteile. Es entstehen oft “andere” Texte, weil du fokussierter bist und das Schreiben mit der Hand auch eine sinnliche Erfahrung ist. Außerdem lassen sich Stift und Papier fast überall finden. Du bist also sehr viel flexibler was den Schreibort betrifft.

Wer mehr über die Vorteile des Schreibens mit der Hand erfahren will, dem sei folgender Blog-Beitrag von Penoblo.de empfohlen: 7 Gründe warum du mehr handschriftlich schreiben solltest

Wenn du dich für handschriftliche Morgenseiten gar nicht erwärmen kannst, lass dich nicht davon abhalten deine drei Seiten in die Tastatur zu tippen. In diesem Beitrag findest du als kleine Hilfestellung ein paar Tools, die das ablenkungsfreie Schreiben am Computer unterstützen: Ich will doch nur tippen! 5+1 Tools für Freewritings am PC

Muss ich wirklich in der Früh schreiben?

Die ursprüngliche Idee ist, die Morgenseiten gleich in der Früh nach dem Aufstehen zu schreiben. Daher heißen sie ja auch MORGENseiten ;-). Es hat absolut etwas für sich, den Tag schreibend zu beginnen. 

Ich habe es allerdings nur während meiner Studienzeit geschafft, die Morgenseiten wirklich nach dem Aufstehen zu schreiben, später wurden daraus öfter Nachmittags- oder Abendseiten.

Was ich dabei aber gemerkt habe, ist, dass sich die Inhalte meiner Texte abhängig von der Tageszeit verändern. Schreibe ich gleich in der Früh, kommen mir öfter neue Ideen oder Gedanken. Es tauchen in meinen Texten auch mehr Pläne auf. Mein Schreiben ist zukunftsorientierter. Schreibe ich eher am Ende des Tages, sind meine Texte öfter ein Revue-passieren-lassen des Geschehenen.

Auch der Schreibort verändert bei mir die Gedanken und Inhalte, die ich zu Papier bringe. Ich habe schon probiert Morgenseiten im Büro zu schreiben. Dabei habe ich aber schnell gemerkt, dass meine Gedanken dort fast ausschließlich um Themen aus dem Büroalltag kreisen. Das fand ich nicht besonders hilfreich. Ich habe den Schreibort daher wieder verlegt.

Gib dem Schreiben am Morgen also unbedingt eine Chance und probiere unterschiedliche Schreiborte aus. 

Soll ich das Geschriebene durchlesen?

Nein. Oder zumindest nicht gleich nach dem Schreiben. Julia Cameron empfiehlt, die Morgenseiten erst nach einigen Wochen zu lesen. 

Ich habe das Gefühl, dass es nicht notwendig ist, die Texte überhaupt noch einmal zu lesen. Ich tue das auch nicht. Wenn ich beim Scheiben glaube, dass ich gerade einen Gedanken zu Papier gebracht habe, der besonders wichtig ist, dann markiere ich ihn schon während des Schreibens im Text. Ich mache das meist, indem ich den Textteil bunt unterstreiche. Nach dem Schreiben lese ich mir die markierte Stelle noch einmal durch und übertrage den Gedanken, wenn notwendig, in mein Notizbuch. 

So, damit ist das Konzept der Morgenseiten kurz erklärt. 🙂 Jetzt bist du dran: #schreiblos. Wenn du noch Fragen hast, schreib sie uns gerne als Kommentar!

Schreibst du Morgenseiten oder hast du diese Schreibmethode schon ausprobiert? Welche Erfahrungen hast du damit gemacht?

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Bildquelle: Treffpunkt Schreiben

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