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Bullet-Journaling für Minimalisten

Geschrieben von Sonja

Ich habe lange KEIN Bullet-Journal geführt. Weshalb? Ich kann nicht zeichnen. Na und?

Ja, das sage ich mir heute auch, doch früher dachte ich:

Ein Bullet-Journal führen, das bedeutet diese bunten, total kreativ bemalten Tagebücher zu schreiben und zu gestalten. Das traute ich mir nicht zu und außerdem schien es mir zu zeitaufwändig. Meine Schlussfolgerung: Bullet-Journaling ist nicht die passende Schreibform für mich. Heute weiß ich: Weit gefehlt – mein BuJo ist mittlerweile eine meiner liebgewonnenen Schreibroutinen. Wie kam’s?

Ich entdeckte 2021 Melina Royers Bullet-Journal-Blogbeitrag. Sie “kriegte” mich mit folgender Aussage:

Journaling ist kein Kunstwettbewerb.

Melina empfiehlt “keine große Sache daraus machen”. Dieser reduzierte und entspannte Zugang überzeugte mich. Ich probierte Bullet-Journaling aus, startete am 17. September 2021, entwickelte meine eigene Version und blieb dabei.

Hier siehst du mein Bullet-Journal für Minimalisten im direkten optischen Vergleich zu kreativen Varianten. Auf Pinterest findest du jede Menge Inspiration (siehe mittleres Foto). Das linke Beispiel stammt von typopoetry, ich habe es am Blog von Franziska Klee entdeckt.

BuJo Sonja 5.8.2022
BuJo Pinterest
Gastbeitrag typopoetry, Blog Franziska Klee

Was ist ein Bullet-Journal?

Du hast den Begriff “Bullet-Journal” schon mal gehört. Bist aber unsicher, was er bedeutet?

Hier eine kurze Zusammenfassung aus meinem Beitrag “Notizbücher: So findest du das passende Bullet Journal“, in dem du weitere Details nachlesen kannst.

Ein Bullet-Journal ist ein Notizbuch, das dir hilft, deinen Alltag besser zu strukturieren und zu organisieren. Du kannst es als persönlichen Kalender bzw. Projektplaner verwenden und hast dabei ausreichend Platz für Ideen, To-do-Listen, Wochenrückblicke, Gedanken, Zitate, Fotos, Skizzen und vieles mehr. Ein typisches Merkmal ist das Punktraster. Es gibt Orientierung, ohne einzuschränken.

Wie funktioniert Bullet-Journaling für Minimalisten?

Die Bullet-Journal-Methode wurde 2016 von Ryder Carroll entwickelt. Eine ausführliche Beschreibung findest du in seinem gleichnamigen Buch*.

Ich verwende eine abgespeckte Variante und konzentriere mich auf den Daily-Log, die Tagesübersicht – meine tägliche Gedankenstütze.

  • Schreibst du gerne Listen?
  • Strukturierst du gerne deine Gedanken?
Falls ja, wirst du das Kernelement des Bullet-Journalings die Rapid Logging-Methode mögen!
 
Ich gestalte mein Bullet-Journal auch grafisch “minimalistisch” und brauche nur meinen blauen Kugelschreiber und schon schreibe ich los. Ab und an verwende ich für die Prioritätensetzung eine andere Farbe, meistens Rot.

Falls dir mein “Design” zu reduziert erscheint, kannst du dein BuJo einfach mit Sticker* oder Washi Tapes* aufpeppen. Die sind im Schreibwaren- und Buchhandel erhältlich.

Wie schreibst du eine Tagesübersicht, also einen Daily-Log mittels Rapid-Logging?

 

In Listenform, mit täglich identer Struktur. Dabei verwendest du gleichbleibende Symbole als Visualisierung. So bekommst du rasch einen Überblick von deinem Tag.

TIPP: 

Entscheide dich, ob du die Symbolvorschläge von Ryder Carroll übernehmen magst oder eigene kreieren willst. Beachte dabei, dass du die einzelnen Symbole einfach und zügig aufs Papier bringen kannst.

Ich starte meinen täglichen Eintrag mit dem Wochentagskürzel und dem Datum. Danach notiere ich – immer in der gleichen Reihenfolge – wesentliche Punkte zu den folgenden 4 Themenbereichen:

Gefühlslage (♥)

Für diesen Themenbereich habe ich mich für ein Herzsymbol entschieden. Ich vermerke meine aktuelle Stimmung: Manchmal mit ein paar Worten, manchmal nur mit einer Zahl. Dann stelle ich mir diese Skalierungsfrage: “Wie bist du heute drauf?”, und beantworte sie mit einer Zahl zwischen 0 und 10, von 0 ach herrje, frag lieber nicht bis 10 mir geht’s heute superduper.

Termine (⃝    )

Ich setze die Liste mit meinen Terminen, an diesem Tag fort und notiere jeweils die Von-Bis-Zeit sowie Thema und Person. Termine markiere ich mit einem Kreis. Ist der Termin absolviert, mache ich ein Kreuz in den Kreis. Manche malen den Kreis aus. Probiere aus, was dir mehr entspricht.

Aufgaben  (• x ˃)

Die mit Abstand längste Liste am Tag, ist jene der Aufgaben. Diese kennzeichne ich mit einem Punkt. Ist die Aufgabe erledigt, wird aus dem Punkt ein Kreuz. Bleibt die Aufgabe unerledigt, entsteht aus dem Punkt ein Pfeil, sobald ich die Aufgabe auf den nächsten oder einen anderen Tag übertragen habe. Manchmal erübrigt sich eine Aufgabe, dann streiche ich sie durch.

Ich bemühe mich, die Anzahl der Aufgaben dem freien Zeitbudget anzupassen, also mich selbst zu beschränken, um der Frustration durch viele unerledigte Aufgaben vorzubeugen. Das klappt leider nicht immer. 😉

Prioritäten hervorheben (!)

Wichtige und/oder dringende Aufgaben hebe ich mit einem Ausrufezeichen hervor.

Notizen (-)

Notizen markiere ich mit einem Bindestrich. Hier halte ich Ereignisse, Erlebtes kurz und knapp fest. 

Am 12. Februar 2024 steht in meinem Bullet-Journal: Kansas City Chiefs 25:22 49ers und ein Tränchen daneben.

Das ist das Spielergebnis vom Superbowl 2024, bei dem die 49ers leider gegen die Kansas City Chiefs verloren haben. Das würdest du vielleicht nicht aufschreiben, ich als American Football-Fan schon. 🏈

That’s it: Diese 4 Kategorien und das Priorisierungstool, mehr findest du in meinem BuJo nicht.

Journaling-Techniken, die ich nicht verwende

Ich verzichte also bewusst auf zusätzliche Journaling-Tools, wie zum Beispiel:

  • Index: das Inhaltsverzeichnis des Bullet-Journals
  • Monthly-Log: zum Festhalten von Terminen und Aufgaben im jeweiligen Monat (notiere ich im Smartphone)
  • Future-Log: zum Festhalten von Aufgaben und Terminen über das aktuelle Monat hinaus
  • Dankbarkeits-Log: zum Notieren von Dingen/Erlebnissen, für die man dankbar ist
  • Gewohnheitstracker: Tägliche Kontrolle, ob eine Handlung gesetzt wurde, zum Beispiel täglich 1,5 Liter Wasser trinken

Welche Vorteile bietet Bullet-Journaling für Minimalisten?

  • Diese reduzierte Form eignet sich ideal zum Einstieg und Kennenlernen der einzelnen Journaling-Techniken.
  • Es gelingt, meiner Meinung nach, so leichter eine tägliche Journaling-Routine zu entwickeln und dranzubleiben.
  • Der Zeitaufwand ist geringer.
  • Die Listenform hilft, den Tag zu strukturieren. 
  • Im Vergleich zum Tagebuch schreiben bleiben die Themen beim Journaling für Minimalisten “oberflächlich”. So ist es einfacher, sich zu distanzieren. Die Themen gehen nicht so tief. Das schätzen meine Coachingkundinnen, vor allem in belastenden Situationen. Und sie erlangen trotzdem mehr Klarheit und fokussieren sich auf wenige, dafür relevante Punkte.
  • Mein persönlicher Journaling-Zugang lautet: Manchmal ist weniger mehr! Das gilt, finde ich, insbesondere für Gewohnheitstracker, die vor allem bei Perfektionisten den Druck noch erhöhen können. Zumal die Gefahr besteht, dass sich die Anzahl dieser Aufzeichnungen verselbständigen und dann werden 5, 6, 7 oder noch mehr “Gewohnheiten” kontrolliert.

Führst du ein Bullet-Journal?
Wie gestaltest du es? Kreativ? Bunt? Reduziert ...? Ich freue mich, wenn du deine Erfahrungen mit mir teilst. Schreib mir gerne einen Kommentar. Vielen Dank!

Bildquellen: Canva, Treffpunkt Schreiben

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4 Kommentare

  • Ein für mich sehr hilfreicher Blog-Beitrag! Ich habe bisher auch Bullet-Journaling vermieden, weil ich befürchtete, mich in Malen, Zeichnen, Farben zu verlieren und dann wieder Zeit zu „verlieren“, statt meine Aufgaben zu erledigen! … Ja, klar! es geht auch minimalistisch! 😌

    • Liebe Angela,

      herzlichen Dank für deine Rückmeldung.

      Ich kann deine Bedenken gut nachvollziehen und freue mich sehr, wenn dich mein Beitrag vielleicht dazu inspiriert mal eine minimalistische Form des Bullet-Journaling auszuprobieren.

      Viel Spaß beim Finden der für dich passenden BuJo-Variante. 🙂

      Alles Liebe
      Sonja

  • Danke, liebe Sonja, ich verwende das Bullet Journal genau wie du und es hat mein Leben so viel besser gemacht – ich habe keine Angst mehr, irgendetwas zu übersehen oder zu vergessen – und das hübsche Schnickschnack würde mich nur von meinen richtigen to dos ablenken. Lieben Gruß, Britta

    • Liebe Britta,

      vielen Dank fürs Teilen deiner Erfahrung!
      Tut echt gut, zu erfahren, dass auch andere Schreibende diese reduzierte Journaling-Form mögen. 🙂
      Und ja, auch mein Alltag hat sich dadurch vereinfacht. Mein BuJo strukturiert mich auf eine angenehme Art und Weise.

      Liebe Grüße
      Sonja

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