Kreatives Schreiben

Veronika macht ihren Krimi fertig oder umgekehrt – Claudia

Veronika überarbeitet ihren Krimi, Treffpunkt Schreiben
Veronika
Geschrieben von Veronika

Dies ist die dritte Folge einer Beitragsserie mit dem Titel Veronika macht ihren Krimi fertig oder umgekehrt. Für alle, die erst jetzt einsteigen, starte ich daher mit einer kurzen Erklärung. Alle, die schon Bescheid wissen, können den imaginären Intro-überspringen-Button ⏭ drücken und nach dem grau umrahmten Absatz zu lesen beginnen.

Wie es zu dieser Beitragsserie kam …

Ich schreibe gerne, aber mit dem Überarbeiten habe ich so meine Probleme. Aus diesem Grund liegt schon recht lange ein Rohtext für einen Krimi in meiner Schublade. Das soll sich jetzt ändern. Der Krimi soll fertig werden. Um dem Ganzen noch mehr Verbindlichkeit zu geben, habe ich mit Sonja vereinbart, dass ich über meine Erfahrungen beim Überarbeiten auf Treffpunkt Schreiben blogge. Dann wissen alle (die es wollen) über meine Fortschritte Bescheid.

Folge 1 (Der Pakt) kannst du hier nachlesen.

Folge 2 (Ich brauche Struktur!) findest du hier.

Auch viel Zeit ist einmal vorbei

Zwischen meinem ersten Textcoaching-Termin bei Ana Znidar und dem zweiten vereinbarten Treffen liegt richtig viel Zeit, fast ein halbes Jahr. Es gibt eine klare Aufgabe und ich habe große Pläne. Ich soll einen neuen Strukturvorschlag für meinen Rohtext erarbeiten. Dabei will ich mich gleich entscheiden, wie ich beim Überarbeiten der Struktur vorgehen will: Karteikarten, ein Schreibprogramm oder eine App am Smartphone?

Drei Wochen vor dem Termin habe ich noch gar nichts gemacht und werde nervös. Ich entschließe mich erst einmal meine ausgedruckten Zettel zu ordnen. Das schaffe ich viel flotter als gedacht. Wieder einmal erweist sich die klassische Ich-kann-nicht-anfangen-weil-die-eine-Stunde-bringt-mich-eh-nicht-weiter-Aufschiebeausrede als wirkungsvoll, aber falsch. 🙈 Nachdem mir die Zeit jetzt fehlt, entscheide ich auch schnell und unbarmherzig, welche Szenen es nicht in die nächste Runde schaffen. 

Nein, so fang ich sicher nicht an! Oder doch?

Im Textcoaching-Termin gehen wir meinen Strukturvorschlag einmal komplett durch. Ich erkläre kurz, was weggefallen ist und wo ich größere Änderungen vorgenommen habe. 

Jemand anderem auf diese Weise die Struktur des Krimis zu erzählen, ist für mich extrem hilfreich. Beim mündlichen Erklären fallen mir einige Problemstellen auf, die ich beim Lesen nicht entdeckt habe.

Der Strukturvorschlag, den Ana erarbeitet hat, deckt sich spannenderweise weitgehend mit meinem. Die einzige große Diskrepanz: die Einstiegszene.

Meine Idee ist, mit einem Dialog zwischen meiner Protagonistin und einem Bademeister zu starten. Darin geht es um einen Vorfall im Wellenbecken. Die Szene beginnt mit folgendem Satz: “Schmeißt sich die dumme Urschl mit ihrer rosa Schwimmsau in den Schwimmerbereich vom Wellenbecken!” 

Ich finde, der Satz hat den richtigen Wumms für einen Anfang und in der Situation wird gleich Spannung aufgebaut. Außerdem wüsste ich sonst ehrlich gesagt nicht, wo die Szene hin soll. Also stell ich sie gleich mal an den Anfang.

Ana ist da ganz anderer Meinung. “Da kenn ich mich nicht wirklich aus. Da sind so viele Figuren, die ich noch nicht kenne. Wer spricht da? Über wen sprechen die und wo?”, sagt sie. 

Sie macht einen anderen Vorschlag. Auch ein Dialog. Aber aus meiner Sicht viel zu harmlos. “Da kommt die Stimmung super rüber. Ich bin gleich in der Szene und lerne die wichtigsten Figuren kennen.”

In mir sträubt sich alles. Sicher nicht! Mach ich so sicher nicht! Ist ein Coaching. Ein Angebot. Ein Vorschlag. Dankend abgelehnt. 

Trotzdem, Anas Idee geht mir nicht mehr aus dem Kopf. Auf dem Heimweg denke ich noch immer darüber nach und auch in den nächsten Tagen und Wochen grüble ich weiter. Mittlerweile bin ich mir fast sicher, Ana hatte wohl recht. Die Szene wäre ein guter Start in meinen Krimi 🤯

Es geht von A nach B

Im nächsten Schritt schauen wir uns an, wann die wichtigsten Charaktere in der Geschichte auftauchen und wann sie verschwinden. Jede Figur sollte eine nachvollziehbare Entwicklung haben. Sie muss von A nach B, braucht einen Einstieg und ein Ende in der Geschichte. Einmal eingeführt, kann sie nicht einfach “verschwinden” oder vielmehr es muss für den/die Leser*in klar sein, warum sie verschwindet. 

Das klingt absolut logisch. Als wir die Szenen der wichtigsten Charaktere meines Krimis im Zeitverlauf darstellen, wird allerdings schnell klar, dass es einige nicht bis zur (eigenen) Ziellinie geschafft haben. Sie sind zwar in A gestartet, aber nicht nach B gekommen. Warum? Das ist in den wenigsten Fällen nachvollziehbar. 

Ich lerne: Wer sich vor dem Schreiben nicht im Detail mit dem Plot der Geschichte auseinandersetzt, tut es danach. 

Claudia 

“Weißt du, wen du auch ganz schnell verloren hast?”, fragt Ana. “Die Claudia. Dabei ist die so wichtig.”

“Die Claudia?” Ich bin total überrascht. 

Ana beginnt schon die wichtigsten Szenen mit Claudia im Zeitverlauf darzustellen. Meine Vermutung ist, dass Ana glaubt, ich wäre überrascht, dass auch Claudia den Weg zu ihrem B nicht geschafft hat. Aber dem ist nicht so. Ich bin überrascht, dass sie Claudia als wichtig einstuft. Das war sie für mich bis jetzt nämlich absolut nicht. Während ich von meinen anderen Hauptcharakteren ein klares Bild habe, weiß ich von der Claudia so gut wie nichts. Ich habe sie ehrlich gesagt verwendet, um ein paar Lücken zu füllen. 

Ich bin Perplex. Die Claudia? Warum soll die wichtig sein? Wie kommt die dazu? Ich werde sogar ein bisschen wütend. Die hat sich eingeschlichen, durch die Hintertür. 

Weil sich im Laufe des Schreibens Dinge einfach anders entwickeln. Figuren entwickeln sich anders. Das ist das berühmte Eigenleben der Figuren, das ich erst erkenne, während ich schreibe.

Charlotte Link

Hinweis: Das Zitat stammt aus folgendem Interview: Krimiautorin Charlotte Link: Schreiben ist harte Arbeit

Dass Figuren beim Schreiben ein Eigenleben entwickeln, habe ich schon öfter gehört, aber noch nie erlebt. Aber jetzt ist sie da, die Claudia. Das war so nicht geplant. Die Frau muss ich definitiv im Auge behalten. 😉

Zum Eigenleben von Romanfiguren gibt es übrigens sogar eine Studie. Wenn es dich  interessiert oder du gerade auch ein Thema mit außer Kontrolle geratenen Charakteren hast, kannst du hier nachlesen: “Hier spricht deine Romanfigur!”

Nächste Schritte

Am Ende des Coaching-Termins habe ich mir folgende nächste Schritte notiert:

  • Das A nach B für meine wichtigsten Figuren im Detail ausarbeiten.
  • Die Einstiegsszene festlegen. Es wird wohl Anas Vorschlag. 😉
  • Herausfinden, was Claudia will.

Ach ja, und ich sollte noch festlegen, wie ich beim Strukturieren des Textes vorgehen will. Karteikarten, Schreibprogramm oder doch eine App… 

Hast du beim Schreiben auch schon Erfahrungen mit Figuren gemacht, die sich verselbständigen? Wie bist du damit umgegangen? Schreib es uns in einem Kommentar zu diesem Beitrag. DANKE!

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Bildquelle: Canva

4 Kommentare

  • Für mich ein sehr spannender Beitrag heute. Und ich will jetzt auch wissen, was aus Claudia wird. Danke, dass Du mich/uns an diesem Prozess so teilhaben lässt. Ich wäre übrigens für Karteikarten, mindestens einen neuen Stift zur Belohnung und vielleicht verschiedene Washi Tape Streifen zur Orientierung. Weiterhin alles Gute und ich freue mich schon auf Teil 4 hier.

    • Hallo Manuela,
      Danke für deinen motivierenden Kommentar. Ich finde die Stift-Washi-Tape-Belohnungsidee spitzenmäßig 👍. Ich denke das werde ich kurzfristig umsetzen 😉. Bei den Karteikarten bin ich mir noch nicht so sicher. Ich experimentiere gerade mit Post-it Meeting Notes (also XXL Post-its) und finde die sehr praktisch. Halte dich aber hier auf dem Blog natürlich über weitere Entwicklungen auf dem Laufenden. Alles Liebe Veronika

    • Hallo Claudia,

      ich muss gestehen, dass ich ein kleines bisschen erschrocken bin, als ich einen Kommentar von Claudia unter diesem Beitrag entdeckt habe. 😅 Ich halten dich natürlich gerne auf dem Laufenden. Danke für dein Interesse und deinen Kommentar! 😊 Alles Liebe Veronika

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