Kreatives Schreiben

Plotten – ein Begriff, zahlreiche Möglichkeiten

Geschrieben von Gastbeitrag

Auf „Treffpunkt Schreiben“ wollen wir zeigen, wie vielfältig das Thema „Schreiben“ sein kann. Daher sind eine zusätzliche Perspektive, unterschiedliche Erfahrungsschätze und neues Expert*innen-Know-how herzlich willkommen 🙂

Wir freuen uns, über den Gastbeitrag von Natascha Birovljev von Die Romanschule, in dem sie unterschiedliche Plot-Methoden vorstellt.

Viel Freude beim Lesen.  

INHALT

Plotten verursacht bei vielen Autoren gerade am Anfang eine Gänsehaut. Aber keine Sorge, es ist eine lösbare Aufgabe, die sogar richtig Spaß macht, wenn man weiß, wie man da am besten rangeht.

Mit Plotten ist übrigens die Planung der Geschichte gemeint, also das Ausdenken der kompletten Handlung.

Das ist je nach Geschichte eine komplexe Angelegenheit, aber ein super wichtiges Handwerkszeug für Autoren. Denn nur so weiß man, wo man wirklich am Ende der Geschichte rauskommt und ob sie auch spannend für den Leser sein wird.

Toll wäre es, wenn ich dir jetzt die eine wahre Plot-Methode vorstellen könnte, die für alle Schreibenden funktioniert und immer zu einem Bestseller führt. Aber so einfach ist das dann doch nicht. So individuell wir Autoren sind, so unterschiedlich sind unsere Geschichten und auch die Möglichkeiten zu plotten.

Vorstellen möchte ich dir hier im Überblick drei Plot-Methoden und ich lade dich ein, sie einfach mal auszuprobieren und zu testen, welche davon zu dir passt. Vorweg möchte ich kurz auf die häufig gestellte Frage eingehen: 

„Muss ich wirklich vorher plotten?”

Nein! Aber die Entscheidung, auf das Plotten zu verzichten, sollte nicht auf der Einstellung gründen, dass das einfach zu viel Arbeit ist. Vor allem Schreibanfänger, die ungeduldig mit dem Schreiben loslegen wollen, denken häufig, dass das Plotten sie einengt und die Kreativität unterdrückt.

Meist liegt das aber nur daran, dass einfach noch die Erfahrung fehlt, wie man sinnvoll plottet. Übrigens bekennen sich die meisten Profi-Autoren zum Plotten. (Das wissen wir von den vielen Bestseller-Autoren, die wir regelmäßig für unsere Online Autorenmessen interviewen).

Jeder Schreib-Interessierte darf also selbst herausfinden, wie er am besten arbeiten kann. Und dazu gehört, finde ich, zumindest ein Kennenlernen und eine Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Plot-Methoden und das Verständnis dafür, was einen guten Plot ausmacht.

Ein Plot dient als erste Struktur und gibt dir als Autor einen roten Faden, der sich durch deine gesamte Geschichte zieht. Er ist ein Plan, auf den du zurückgreifen kannst, wenn der Schreibprozess stockt.
Stelle dir deinen Plot als Geländer vor, an dem du dich festhalten oder vielmehr entlanghangeln kannst beim Schreiben. Er gibt dir die Sicherheit, dass deine Geschichte so gut funktioniert, dass die Leser bestenfalls gar nicht mit dem Lesen aufhören wollen.

Daher lege ich jedem Autor ans Herz, vor allem Schreibanfängern, zumindest einmal einen Plot für ein Buchprojekt zu schreiben.

Und auch wenn du nicht im Vorhinein deine Geschichte planen magst, so hilft dir ein grundsätzliches Verständnis in Bezug auf das Plotten auch nach deiner ersten Rohfassung. So kannst du nämlich beim Überarbeiten die Struktur deiner Geschichte abklopfen und verbessern.

Dieses Handwerkszeug wird dich in deiner Weiterentwicklung zum Autor in jedem Fall weiterbringen.

1. Die Schneeflocken-Methode

Die Schneeflocken-Methode wurde von dem US-amerikanischen Physiker und Schriftsteller Randy Ingermanson entwickelt. Sie besteht aus 10 Schritten, die aufeinander aufbauen und so miteinander verbunden werden, dass ihre Struktur an eine Schneeflocke erinnert. Die Voraussetzung, um mit dieser Methode arbeiten zu können, ist eine Grundidee für deine Geschichte.

Und so gehst du vor:

1. Schritt: Formuliere die Grundidee der Geschichte in einem Satz. Lege den Fokus auf deine Hauptfigur.

2. Schritt: Erweitere diese Grundidee mit 5 Sätzen. Beschreibe den Hintergrund, die erste, zweite und dritte Katastrophe (Hauptkonflikte) und die Auflösung in je einem Satz. Dieser zweite Schritt ist eine Kurzzusammenfassung der ganzen Geschichte.

3. Schritt: Erstelle einseitige Zusammenfassungen zu jedem Hauptcharakter (Name, Ziel, Motivation, Entwicklung).

4. Schritt: Ergänze jeden Satz aus Schritt 2 mit weiteren 5 Sätzen. Das dient dazu, die Konflikte und Geschehnisse weiter auszuarbeiten.

5. Schritt: Formuliere den Text aus Punkt 4 aus der Sicht des Hauptcharakters. Was fühlt und denkt die Hauptfigur? Wer sind ihre Verbündeten? Wo liegen ihre Stärken und Schwächen?

6. Schritt: Erweitere jeden Absatz aus Punkt 4 zu einer Seite.

7. Schritt: Erstelle Steckbriefe für jeden deiner Charaktere.

8. Schritt: Erstelle anhand deiner Zusammenfassung der Geschichte nun den Szenenplan, am besten in einer Tabelle.

9. Schritt: Dieser ist laut Randy Ingermanson optional. Wer will, schreibt eine 50-seitige Zusammenfassung aus den in Schritt 8 erstellten Szenen.

10. Schritt: Hier beginnt das eigentlichen Schreiben der Geschichte.

Einschätzung

In der Romanschule finden wir diese Methode nicht sehr einfach zu handhaben, da es vielen Autoren schwerfällt, ihre Geschichte gleich zu Anfang in wenigen Sätzen zusammenzufassen. Die Methode bietet zwar eine Anleitung, einen zusammenhängenden Plot zu erstellen, bleibt aber eher allgemein, wenn es um den eigentlichen Aufbau einer dramatischen und spannenden Handlung geht, wie es zum Beispiel die Heldenreise tut. Die wichtigsten Punkte, die in der Schneeflocken-Methode entwickelt werden, decken wir in der Romanschule mit der Heldenreise ab. Dennoch gibt es viele Autoren, die diese Methode lieben. Probiere sie also gerne aus!

2. Plotten in Akten

Die Unterteilung nach Akten ist wohl die älteste Methode, ein Buch zu plotten, in 3, 4, 5 oder 7 Akte. Diese Methode kostet weniger Zeit als die Schneeflocken-Methode, ist dafür aber auch nicht so detailliert.

Das Plotten in Akten kommt ursprünglich aus dem Theater, aber es funktioniert ebenfalls wunderbar für Romane. Viele Drehbücher orientieren sich daran und in so ziemlich jedem Film findet man die 3-Akt-Struktur, auf die ich mich im Folgenden fokussiere.

Die 3-Akt-Struktur besteht aus folgenden Teilen:

1. Akt: Einleitung (Exposition)

Im 1. Akt werden die wichtigsten Figuren und Schauplätze vorgestellt. Der Leser lernt den Protagonisten kennen, seine Persönlichkeit und vor allem auch seine Motivation, ein bestimmtes Ziel zu erreichen. Ebenfalls sollte der Leser erkennen, in welchem Genre die Geschichte erzählt wird, und er bekommt ein Gefühl für die Atmosphäre – die Stimmung im Roman. Wichtig ist auch die Einführung des Hauptkonflikts, der hier angedeutet wird und für Spannung sorgt. Ein Problem, ein Hindernis wird erkennbar und damit die Frage, wie die Hauptfigur es lösen wird.

Am Ende des 1. Aktes liegt ein Wendepunkt, der Protagonist entschließt sich, ins Abenteuer zu gehen.

2. Akt: Hauptteil (Konfrontation)

Dieser Akt ist der längste Teil in einem Roman. Der Hauptfigur werden immer neue Hindernisse in den Weg geworfen. Sie ist in einigen Punkten erfolgreich, aber vieles scheitert und die Schwierigkeiten/Konflikte spitzen sich zu. Achte hier auf eine Steigerung. Hier sollte auch der Antagonist/Gegenspieler spätestens auftauchen.

Etwa nach der Hälfte des zweiten Aktes erreichen wir die Mitte des Romans, einen zentralen Punkt. Die Hauptfigur bekommt eine entscheidende Information oder hat einen Moment, in dem sie erkennt, wie sie den Hauptkonflikt lösen könnte. Die Geschichte bekommt einen Energieschub.

Auch der 2. Akt endet in einem Wendepunkt, der in den letzten Akt führt.

3. Akt: Schluss (Auflösung)

Es geht rasant dem Showdown entgegen. Der Höhepunkt wird angesteuert und die Spannung steigt unaufhörlich an, reißt den Leser mit. Es kommt zum Aufeinandertreffen zwischen der Hauptfigur und dem Antagonisten (z.B. Gut und Böse / zwei Liebenden / Detektiv und Mörder). Der Protagonist geht nach einem grandiosen Endkampf als Sieger hervor.

Um den Leser zu befriedigen, sollten am Ende alle offenen Fragen beantwortet werden. Das gilt vor allem für einen Einzelband. Wenn es sich um eine Reihe handelt, darf die eine oder andere Frage offenbleiben. Die wichtigsten Punkte sollten aber auch hier aufgelöst werden.

Einschätzung

Diese Methode kann hilfreich sein, aber in der Romanschule sind wir der Meinung, dass sie nicht ganz ausreicht. Sie ist eine gröbere Plot-Methode, die gewisse Wendepunkte der Geschichte als Orientierung gibt, auf die tiefere Entwicklung und Veränderung des Protagonisten jedoch nicht eingeht.

Aus diesem Grund stelle ich dir nun die Heldenreise vor, in der man automatisch auch die Eckpunkte der 3-Akter-Plot-Methode findet. Aber gerade dann, wenn du nicht zu viel planen magst und dich die komplexere Heldenreise noch abschreckt, könnte die 3-Akt-Methode ein guter Startpunkt für dich sein.

3. Die Heldenreise

Von der Heldenreise als Erzählmuster gibt es mehrere Varianten. Ich beziehe mich in diesem Überblick auf die Version von Christopher Vogler in seinem Buch: „Die Odysee der Drehbuchschreiber, Romanautoren und Dramatiker. Mythologische Grundmuster der Heldenreise für Schriftsteller”*, Autorenhaus Verlag 2018.

 

Das Kennzeichen der Heldenreise ist eine Situationsabfolge – die Heldenreisen-Stationen – die dadurch ein Grundmuster beim Plotten bieten. Diese Stationen sind durch alle Zeiten und Kulturen bekannt und kommen in unzähligen Geschichten vor. Daher weiß man, dass sie funktionieren. Hollywood und Disney arbeiten zum Beispiel mit der Heldenreise als Gerüst für ihre mitreißenden Filme und Serien.

Die 12 Stadien der Heldenreise

1. Die gewohnte Welt
Der Held (oder die Heldin) wird vorgestellt in seiner Welt und seinem Alltag.

2. Ruf des Abenteuers
Ein Ereignis reißt den Helden aus seinem gewohnten Leben und er muss handeln.

3. Weigerung
Zunächst verweigert sich der Held der Veränderung. Er fühlt sich nicht bereit, hat Angst, will seine Sicherheit nicht aufgeben. Manchmal hindern ihn auch äußere Widerstände oder andere Figuren.

4. Begegnung mit dem Mentor
Der Held will sich auf den Weg machen. Er setzt sich ein Ziel. Oft trifft er an dieser Stelle einen Mentor, der ihm beisteht.

5. Überschreiten der ersten Schwelle
Die Reise des Helden beginnt. Er verlässt seine alte Welt und muss die ersten Prüfungen bestehen, Hindernisse meistern, sich Konflikten stellen.

6. Bewährungsproben, Verbündete und Feinde
Der Held begibt sich tiefer in die neue Welt, in das Unbekannte. Auf seinem Weg trifft er auf Verbündete und begegnet seinen Feinden.

7. Vordringen zur tiefsten Höhle
An diesem Punkt wird dem Helden klar, dass es nun um Leben oder Tod geht. Er muss sich entscheiden und begreift, dass es danach kein Zurück mehr geben wird.

8. Entscheidende Prüfung
Der Held steht seinem größten/stärksten Feind gegenüber und scheitert – die schlimmstmögliche Wendung, die Katastrophe ist eingetreten. In dieser Prüfung liegt ein Geheimnis: Der Held muss erst sein altes Ich sterben lassen, um siegen zu können.

9. Belohnung: Ergreifen des Schwertes
Findet der Held aus eigener Kraft aus der Schwärze, erhält er eine Belohnung, die ihm beim Endkampf helfen wird (Elixier / Schwert / entscheidende Information und Ähnliches)

10. Rückweg
Der letzte Kampf steht bevor: Der Held bereitet sich auf den Showdown vor.

11. Auferstehung
Showdown, der Höhepunkt: Der Endkampf, in dem der Held erst unterlegen scheint. Doch es gelingt ihm, den Kampf an sich zu reißen und zu gewinnen.

12. Rückkehr mit Elixier
Der Held ist persönlich gereift, er hat sich entwickelt und befindet sich in einer neuen Situation. Bei seiner Rückkehr bringt er etwas Entscheidendes mit: Wissen, Erfahrungen, Macht, Reichtum oder die große Liebe.

Einschätzung

Die Heldenreise ist eng mit der Hauptfigur verknüpft und erfordert eine intensive Beschäftigung mit der Psyche und den individuellen Eigenschaften der Figur. Die Individualität deiner Hauptfigur sorgt unter anderem aber auch dafür, dass mit der Heldenreise als Grundmuster für deinen Plot kein Einheitsbrei entsteht, sondern deine einzigartige Geschichte.

Die Heldenreise betrachtet also die äußere Handlung und die innere Entwicklung der Hauptfigur und ist die Plot-Methode, mit der wir in der Romanschule arbeiten. Für uns bietet die Heldenreise die umfassendste Möglichkeit, ein Handlungsgerüst für eine Geschichte so zu erstellen, dass der Fokus eben nicht nur auf das Geschehen gerichtet ist. Sie ermöglicht dir als Autor ganz dicht am Protagonisten deine Geschichte zu entwickeln und gleichzeitig Wendepunkte, Spannung und Dramaturgie im Auge zu behalten. In der Romanschule haben wir die klassische Heldenreise für unsere Teilnehmer an unserer Ausbildung modernisiert und so angepasst, dass sie für jedes Genre funktioniert. Aber wir wissen auch, dass jede Geschichte individuell ist und interpretieren die Heldenreise entsprechend.

Fazit

Die drei hier vorgestellten Plot-Methoden ließen sich durch zahlreiche andere Methoden ergänzen. Was zeigt, dass es keine Universalvorlage für das Plotten gibt.

Die Erstellung eines Handlungsgerüsts ist immer individuell und variiert ebenso wie die Plotstrukturen für Romane.

Wenn der Plot für deine Geschichte steht, dann behalte ihn als Gerüst während des Schreibens im Auge. Es ist vollkommen normal, wenn sich ein Plot an manchen Punkten verändert. Du wirst dich aber nicht komplett in eine Sackgasse schreiben, da du den roten Faden, deinen Plot, als Wegweiser an deiner Seite hast.

Fest steht, dass mitreißende Geschichten einen Spannungsbogen brauchen, um den Leser von Anfang an in die Handlung hineinzuziehen. Er sorgt auch dafür, dass das Interesse an der Geschichte über mehrere hundert Seiten nie versiegt. Und um eben das zu meistern, kannst du Erzählstrukturen wie die Heldenreise, den 3-Akter oder die Schneeflockenmethode nutzen. Es geht aber nie darum, die Schritte oder Stationen in einem Plotmuster schematisch abzuarbeiten, sondern mit Hilfe der ausgewählten Methode durch Übung und Erfahrung immer wieder neue, individuelle und vor allem mitreißende Geschichten zu erschaffen.

In diesem Sinne: Gib dem Plotten eine Chance und finde die Methode, die zu dir und deiner Geschichte passt.

Foto: Fritz Philipp
Die Romanschule/Natascha Birovljev
  • Die Romanschule wurde 2010 (damals als “Schreibfluss”) von Jurenka Jurk gegründet und bietet seitdem angehenden Autoren eine systematische Anleitung – in Form des Romanfahrplans in der Ausbildung zum Romanautor, mit der sie ihr Buchprojekt Schritt für Schritt bis ins Buchregal bringen.
  • Natascha betreut die Teilnehmer in der Ausbildung als Coach in online Kurstreffen, Einzelcoachings sowie im Schreibforum. Ihr aktuelles persönliches Projekt ist der nächste Band ihrer Willow Ranch Reihe (natascha-birovljev.com).
  • Vom 06.11. bis zum 13.11.2022 veranstaltet das Team der Romanschule die 3. Online-Autorenmesse. Melde dich jetzt KOSTENLOS für den ersten und den zweiten Tag bis 21.00 Uhr an und bringe deinen Roman richtig weit nach vorne!

Hast du bereits Plot-Methoden ausprobiert? Wie sind deine Erfahrungen damit? Lass es uns wissen – wir freuen uns, über deinen Kommentar 🙂!

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Bildquellen: Canva Treffpunkt Schreiben, Foto Fritz Philipp

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