Kreatives Schreiben

Schreibimpuls – Konflikt als Spannungselement

Geschrieben von Sonja

Manchmal will es mit dem Schreiben einfach nicht klappen, das Blatt Papier bleibt leer. Von Schreibfluss oder in den Flow kommen – keine Spur. Dann helfen Schreibimpulse. 

Du schreibst nicht gerne alleine?

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Autor*innen wünschen sich, dass ihre Leser*innen das Buch nicht mehr aus der Hand legen können, weil diese unbedingt wissen müssen, wie die Geschichte ausgeht.

Doch wie gelingt das?

Durch Konflikte.

Ohne Konflikt entsteht keine Spannung.
Eine konfliktfreie Szene, in der sich zwei Menschen permanent gegenseitig bestätigen, wird kaum Spannung erzeugen.
Ein Streitgespräch ist da schon sehr viel interessanter.

Sebastian Fitzek, Meet your Master, S. 67

Steckbrief Konfliktsituation

Bevor ich eine Konfliktszene schreibe, erstelle ich einen Konflikt-Steckbrief. Ich fixiere darin die folgenden Eckdaten:

  • Streitpunkte (Worum geht es?)
  • Parteien (Wer steht in Konflikt zueinander?)
  • Form (Wie äußert sich der Konflikt?)
  • Verlauf (Wie entwickelt sich der Konflikt, Eskalationsstufe?)
  • Ergebnis (Was hat der Konflikt gebracht?)

So fällt mir das Losschreiben leichter. Lass uns also Schritt für Schritt vorgehen 😉.

 

Schritt 1: Worum geht es?

Von einem sozialen Konflikt sprechen wir dann, wenn wenigstens „eine Person, eine Partei“ den Umgang mit einer Differenz (Unterschied) so erlebt,
dass er durch das Handeln eines anderen dabei beeinträchtigt wird,
die eigenen Vorstellungen, Gefühle oder Absichten zu leben oder zu verwirklichen.

Friedrich Glasl

Konfliktarten:

  • Persönliche Konflikte – innerhalb einer Person (intrapersonal)
  • Beziehungskonflikte – innerhalb/zwischen Gruppen (interpersonal)
  • Bewertungskonflikte – hinsichtlich der Wege zum Ziel, Werte

  • Ressourcenkonflikte – Menschen, Finanzen, Know-how, Zeit

  • Rollen & Funktionskonflikte

  • Heiße Konflikte – haben eine dynamisierende Tendenz, führen zu Turbulenzen
  • Kalte Konflikte – zeigen ein stabilisierende Tendenz, bis hin zur Erstarrung

✍️ Sammle mindestens 15 Konfliktsituationen. Du kannst deine Ideen zu allen Konfliktarten notieren oder dich auf eine Konfliktart konzentrieren.
Wähle dafür die Listenform oder die Technik des Clusterns.
Nimm dir dafür 15 Minuten Zeit.

Hier einige Beispiele:

  • Soll sie für die Steuerberaterprüfung lernen oder sich doch ins Nachtleben stürzen?
  • Sie will in die Berge, er ans Meer.
  • Deine Protagonistin bekommt ein Jobangebot mit bombastischer Bezahlung. Die Sache hat einen Haken, nicht alles, was sie dafür tun muss, ist ganz legal.
  • Die 16jährige Laura ist Klimaaktivistin. Bei einer Demo kommt es zu einer Auseinandersetzung mit Passanten. Die Situation schaukelt sich auf.
  • Paul spricht seit Jahren nicht mit seiner Schwester. Den Grund dafür wissen nur sie und er. Pauls Frau wünscht sich eine Versöhnung.

Und hier noch eine weitere  Konfliktsituation als Inspiration:

Schritt 2: Wer steht in Konflikt zueinander?

Im zweiten Schritt beschäftigen wir uns mit den Konfliktparteien und entscheiden uns für die Anzahl der Beteiligten.

Wer glaubt immer Recht zu haben,
glaubt gar nicht,
wie viele andere das auch glauben.

Ernst Ferstl
  • Einzelperson (innerer Konflikt)
  • Paar-Konflikt (zwei Personen oder zwei Gruppen)
  • Dreier-Konflikt
    • Dramadreieck (3 Beteiligte: Verursacher – Betroffener – Vermittler)
    • Triangulation (Zwei haben einen Konflikt und tragen ihn über einen Dritten aus)
  • Mehrere Konfliktparteien

✍️ Entscheide dich, wieviele Personen an dem Konflikt beteiligt bzw. davon betroffen sind. Schreibe deren Namen und einige wesentliche Infos zu ihnen auf.
Du hast 10 Minuten, los geht's!

Schritt 3: Wie äußert sich der Konflikt?

  • Konflikte machen Unterschiede sichtbar. (Wie unterscheide ich mich von anderen? Wer ist wofür zuständig?)
  • Konflikte „triggern“ Geschichten, Mythen, Biografisches.
  • Konflikte führen uns zu alten ungelösten Historien.
  • Konflikte kosten Zeit.
  • Konflikte lassen uns zwischen Alternativen hin und her schwanken. 

  • Konflikte verhindern (rechtzeitige) Entscheidungen.

  • Konflikte fordern Menschen, können belastend wirken.
  • Konflikte verändern Personen und deren Verhalten.
  • Konflikte beeinflussen die Stimmungslage.

✍️ Wähle eine Konfliktsituation aus deiner Sammlung (Liste/Cluster) und beschreibe, wie sich diese äußert. Was kannst du beobachten?
Mache ein Freewriting. Stelle den Timer auf 15 Minuten.

Schritt 4: Wie entwickelt sich der Konflikt?

Konflikte können eskalieren, müssen sie aber nicht.

Friedrich Glasl unterscheidet neun Eskalationsstufen, die in diesem Video von Smart Leadership anschaulich erläutert werden:

Eskalationsmodell, Friedrich Glasl

Du kannst diese Struktur für deinen Text nutzen: Die Entwicklung hängt u.a. davon ab, welche Handlungen die Beteiligten setzen, und ob, es Interventionen “von außen” gibt. Auch die Persönlichkeitsstruktur (intro- oder extrovertiert) der Beteiligten ist relevant.

✍️ Wähle, auf welcher Eskalationsstufe du bei deiner Geschichte/Szene einsteigst und wie sich der Konflikt fortsetzt.

Schritt 5: Was hat der Konflikt gebracht?

  • Was ist das Ergebnis des Konflikts?
  • Wie wurde dieses Ergebnis erzielt? (Durchsetzen, Vermeiden, Nachgeben, Kompromiss finden)
  • Gibt es eine Veränderung?
  • Was hat der/die Leser*in Neues erfahren?
  • Welche Bedeutung hat der Konflikt für die weitere Handlung?

✍️ Beantworte die Fragen in ca. 15 Minuten. Stichworte reichen aus.

Schritt 6: Konfliktszene schreiben

Lies deine Notizen zu den Schritten 1-5  durch, triff eine Auswahl und schreibe die gewählten Eckdaten untereinander. Fertig ist dein Konflikt-Steckbrief!

Nimm diesen als Ausgangspunkt und leg los.

Plane ca. 25 Minuten ein.

✍️ Schreibe eine Szene, in der der Konflikt spürbar wird.
ODER
Wähle die Dialogform und dokumentiere ein Streitgespräch.
ODER
Schildere die Bearbeitungsphase einer Konfliktsituation, in der beim ersten Schreibdurchgang eine Lösung durch "Kampf" herbeigeführt werden soll, beim zweiten durch "Anpassung".
Viel Spaß beim Ausprobieren!

Hast du Tipps zum Schreiben von Konflikten?

Teile sie gerne mit uns und schreib uns einen Kommentar 🙂. Danke.

Bildquelle: Canva

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