Niemand möchte in die Situation kommen, eine Kondolenzkarte schreiben zu müssen. Und doch stehen früher oder später viele von uns vor der Frage, wie sie ihre Anteilnahme am besten in Worte fassen.
Die Idee zu diesem Beitrag liegt schon einige Zeit zurück, doch ich habe gezögert: Passt dieses Thema zu unserem Blog? Interessiert es unsere Leser*innen?
Als diplomierte Traumaberaterin, erlebe ich oft die Hilflosigkeit im Umgang mit trauernden Menschen. Die Sorge etwas Falsches zu sagen, zu schreiben, zu tun, überwiegt. Die Folge: Schweigen, den Kontakt meiden und lieber keine Beileidskarte schreiben.
Doch das ist aus meiner Erfahrung der falsche Weg. Fehlende Anteilnahme erzeugt zusätzlichen Schmerz. Immer wieder kränken sich deshalb Angehörige und ich höre Sätze, wie: “Nicht mal eine Karte haben sie geschrieben, obwohl der Max ihnen im Garten so oft geholfen hat.”
Mit diesem Beitrag möchte ich dich ermutigen, diese Unsicherheit zu überwinden und dabei unterstützen Worte zu finden, die trauernden Menschen zeigen, dass sie nicht allein sind.
Tipp:
Es geht nicht darum, die perfekten Formulierungen zu finden, vielleicht gibt es sie gar nicht. Ein paar persönliche Worte, die von Herzen kommen genügen und zeigen Mitgefühl.
INHALT
Was ist ein Kondolenzschreiben und wozu dient es?
Ein Kondolenzschreiben – auch Beileidsschreiben genannt – ist ein Trauerritual, um Hinterbliebenen Mitgefühl und Anteilnahme auszudrücken.
Die Beileidsbekundung kann persönlich, telefonisch oder schriftlich erfolgen, zum Beispiel mit einer Karte oder mit einem Eintrag in einem (Online-)Kondolenzbuch. Auch das Senden einer Nachricht ist eine Option.
Wann ist der korrekte Zeitpunkt zum Verschicken einer Beileidskarte?
Meine Empfehlung lautet: zeitnah zur Kenntnis des Todes.
Nimm dir etwas Zeit. Du darfst die Nachricht erst einmal selbst aufnehmen und musst nicht sofort Worte finden.
Zögere das Schreiben aber auch nicht unnötig hinaus. Der Anfang bleibt oft schwierig. Du musst noch nicht genau wissen, was du schreiben möchtest, wenn du startest.
Ein weiteres passendes Zeitfenster gibt es nach der Beerdigung. Das ist jene Zeit, in der die Hinterbliebenen oft in ein “Loch” fallen. Davor funktionieren viele und sind mit organisatorischen Dingen beschäftigt. Danach spüren sie eine unbekannte Leere, wissen (noch) nicht, wie sie den Alltag bewältigen sollen. Da kann eine Beileidskarte Trost spenden.
Eine Kondolenzkarte schreiben: Schritt für Schritt
Wie findest du die passenden Worte für deine Karte? Lass uns das Schreiben Schritt für Schritt gemeinsam angehen.
Schritt 1: Deine Beziehung zum/zur Verstorbenen
Nimm dir etwas Zeit und notiere folgende Punkte:
- Wie hast du vom Tod der Person erfahren?
- Kennst du die Todesursache?
- In welcher Beziehung stehst du zu ihr/ihm? | Familie, Freunde, Bekannte, Nachbarn, beruflicher Kontext?
- Wie/wo habt ihr euch kennengelernt?
- Was fällt dir spontan zum/zur Verstorbenen ein?
- Welche drei Eigenschaftswörter beschreiben ihn/sie?
- Gibt es gemeinsame Erlebnisse? Welche sind dir besonders positiv in Erinnerung?
- Worüber habt ihr gemeinsam gelacht?
- Was wirst du vermissen?
Je nachdem, wie intensiv du dich dieser Beziehung widmen möchtest, kannst du auch nur ein paar Punkte auswählen und dich darauf konzentrieren.
Schritt 2: Wem kondulierst du?
- An wen richtet sich deine Beileidskarte?
- Wie nahe stand die Person der/dem Verstorbenen?
- Kennst du das ungefähre Alter des Empfängers/der Empfängerin?
- Weißt du, ob er/sie Traditionen schätzt und/oder offen für moderne Zugänge ist?
- Gibt es etwas, das du dem/der Hinterbliebenen mitteilen magst?
Wie nahe stehst du dem Empfänger/der Empfängerin?
Schritt 3: Wie wählst du die passende Kondolenzkarte?
Hier gilt: Geschmäcker sind verschieden. Ich rate dir, die Karte bewusst auszusuchen und darauf zu achten, dass sie zum/zur Verstorbenen passt und zu deiner Beziehung zur trauernden Person. Die Beileidskarte bietet dann einen stimmigen Rahmen für deine persönlichen Worte.
Lese deine Notizen aus Schritt 1 und Schritt 2 durch. Hier findest du bereits Hinweise. Nutze diese, um dich zwischen den unterschiedlichen Varianten zu entscheiden:
Klassiker mit Kerze und Spruch
Kerzen finden sich häufig auf Beileidskarten, sie gelten als Symbol dafür, ein Licht für die verstorbene Person zu entzünden.
Oft sind bereits Trauersprüche aufgedruckt.
Bitte wähle Karten mit religiösen Motiven nur, wenn dir die Glaubensrichtung des Verstorbenen und der Hinterbliebenen verlässlich bekannt ist.
Und selbst dann, empfehle ich noch mal hinzuspüren, ob diese Symbole aktuell noch passend sind.
In der Begleitung von Trauernden habe ich erlebt, dass auch Menschen mit einem starken Glauben mit “ihrem Gott” bei Todesfällen hadern. So meinte eine Mutter, die sich als sehr gläubig bezeichnete, zu mir: “Was ist das für ein Gott, der mir mein Kind auf so grausame Art nimmt.” Ihr Sohn wurde bei einem Unfall mit Fahrerflucht getötet.
Eine Witwe, die sogar im Dienste der Kirche stand, wandte sich komplett vom Glauben ab: “Mein Mann musste leiden wie ein Hund und ich mit ihm. Auf so einen Gott pfeif ich, von wegen barmherzig”, sagte sie.
Blumenmotive sind sehr beliebt. Vor allem Rosen, Lilien, Chrysanthemen und Vergissmeinnicht werden gerne abgebildet.
Wenn du die Lieblingsblume der verstorbenen Person kennst, kannst du speziell eine Karte mit dieser suchen. Das darf auch eine Blumenkarte ohne aufgedrucktem Trauertext sein, dann stellst du den Bezug mit einigen persönlichen Worten her:
“Ich erinnere mich Lore liebte …”
“Sophie hatte immer eine Vase mit einem Strauß … auf ihrem Schreibtisch stehen ..”
Die reduzierte bzw. neutrale Beileidskarte
Diese Karten wirken edel und sind vielfältig einsetzbar. Dein persönlicher Text kommt noch stärker zur Geltung.
Eine weitere Kartenkategorie, ist jene die durch Besonderheiten auffällt. Das abgebildete Bilett, zeigt eine Pusteblume in Kombination mit Samen, die eingearbeitet sind. Die Karte beginnt also zu blühen.
Weiters sind Karten mit Anhängern, Erinnerungssteinen und ähnlichem erhältlich.
Schritt 4: Die eigenen Worte der Anteilnahme finden
Auch für mich ist es immer wieder herausfordernd meine Anteilnahme in Worte zu fassen. Worauf ich jedoch stets achte sind folgende Punkte:
- bleibe authentisch
- wähle ehrliche und persönliche Worte
- teile positive Erinnerungen
- wenn dir die Worte fehlen, darfst du das schreiben
- spare dir Floskeln und Redewendungen
- drücke dein Beileid handschriftlich aus
Aufbau eines Kondolenzschreibens
Ein Kondolenzschreiben folgt grundsätzlich einem ähnlichen Aufbau wie ein persönlicher Brief. Du kannst dich an den folgenden Bestandteilen orientieren, musst dich aber nicht strikt daran halten. Viel wichtiger als eine bestimmte Reihenfolge ist, dass deine Worte ehrlich gemeint sind und zu deiner Beziehung zu den Hinterbliebenen passen.
Die persönliche Anrede: Beginne dein Schreiben mit einer passenden Anrede. Je nachdem, wie vertraut du mit den Angehörigen bist, kannst du sie mit „Liebe“ oder „Lieber“ ansprechen. Bei einem eher distanzierten Verhältnis ist „Sehr geehrte“ oder „Sehr geehrter“ angemessen.
Die Einleitung: Hier bringst du deine Anteilnahme zum Ausdruck. Du kannst erwähnen, wie du vom Todesfall erfahren hast und was der Verlust bei dir ausgelöst hat. Ein schlichtes „Es tut mir sehr leid, vom Tod deiner Mutter zu erfahren“ ist dabei beispielsweise oft ausreichend.
Der Hauptteil: Nutze diesen Teil, um ein paar persönliche Worte über den verstorbenen Menschen zu schreiben. Vielleicht möchtest du eine schöne Erinnerung teilen, eine besondere Eigenschaft hervorheben oder von einem gemeinsamen Erlebnis erzählen. Gerade solche persönlichen Gedanken können für die Hinterbliebenen sehr wertvoll sein.
Der Abschluss: Zum Ende deines Schreibens kannst du deine Anteilnahme noch einmal ausdrücken oder ein konkretes Hilfsangebot machen. Wähle dafür Worte, die sich für dich stimmig anfühlen und die du auch ehrlich meinst.
Als Schlussformulierung eignen sich beispielsweise „In herzlicher Anteilnahme“, „In stillem Gedenken“ oder „Mit tiefem Mitgefühl“.
Wenn du magst, kannst du deinem Kondolenzschreiben auch ein Foto von dir und der verstorbenen Person beilegen, das dich an eine schöne gemeinsame Zeit erinnert. In manchen Kulturkreisen ist es außerdem üblich, den Angehörigen mit einer Geldgabe bei den Beerdigungskosten zu unterstützen. Informiere dich im Zweifelsfall über die jeweiligen Gepflogenheiten.
Online kondolieren
Es gelten die gleichen Empfehlungen, jedoch mit der Einschränkung, dass du beachten solltest, dass das Geschriebene öffentlich ist, d. h. von jedermann/frau gelesen werden kann. Die Privatsphäre geht verloren.
Das bedeutet, dass du beim Einfließen lassen von gemeinsamen Erlebnissen, klären musst, ob diese auch fremden Menschen zugänglich gemacht werden dürfen. Wäre das für die Angehörigen okay? Falls nicht, dann bitte davon absehen.
Üblicherweise handelt es sich um kürzere Texte, ein bis zwei Absätze sind angemessen.
Beispieltexte Kondolenzschreiben
Es gibt mehrere Internetseiten mit einer umfangreichen Sammlung von Textvorschlägen. Diese sollten jedoch lediglich als Anregung dienen, da sonst der so wesentliche persönliche Bezug fehlt. Außerdem empfehle ich dir, vor dem Verwenden von Textbausteinen die konkrete Passung zu prüfen und auch darauf zu achten, ob diese keine Floskeln enthalten.
Hier einige Beispieltexte, die nach der Schritt-für-Schritt-Anleitung dieses Beitrags entstanden sind:
Beispiel Kondolenzschreiben Tod Bekannter
Wien, 3. Mai 2026
Liebe Hilde,
erinnerst du dich noch an unser erstes Treffen am Attersee? Hans und du haben uns beim Gepäck ausladen geholfen, die Chemie zwischen uns hat sofort gepasst. Von da an haben wir uns Sommer für Sommer am See getroffen und übers Kochen und Backen gefachsimpelt.
Als ich Hans von unserem Familien-Sachertorten-Rezept erzählt habe, war er total entsetzt, “eine Sachertorte mit Thea? Da muss echte Butter rein!” Er hatte den erlesenen Gaumen eines Sternekochs, der auf zahlreichen Kreuzfahrtschiffen weltweit unterwegs gewesen ist. Meine Sachertorte hat Hans dann doch geschmeckt oder er wollte nur höflich sein.
Diesen Sommer wird sein Liegestuhl am See leer bleiben. Wir werden Hans sehr vermissen.
Wir denken an dich.
In herzlicher Anteilnahme Claudia & Paul
PS: Wir sind ab 14. Mai wieder in Weyregg und melden uns dann bei dir. Vielleicht magst du auf eine Jause zu uns kommen?
Beispiel Kondolenzschreiben Tod Elternteil
München, 2.11.2026
Liebe Doris,
ich habe eben vom Tod deiner Mama erfahren und möchte dir mein herzliches Beileid ausdrücken.
Ich konnte selbst miterleben, dass ihr eine besondere Verbindung zu einander hattet. Ihr habt euch ohne Worte verstanden. Sie hat immer zu dir gestanden und wie eine Löwin für dich gekämpft, wenn dir jemand unrecht getan hat.
Ich bedauere deinen Verlust sehr und bin mir sicher, wo immer deine Mama jetzt ist, sie wird ein Auge auf dich haben.
Selbstverständlich begleite ich sie auf ihrem letzten Weg. Wir sehen uns also am Freitag.
Fühl dich umarmt.
Deine Sophie
Beispiel Kondolenzschreiben plötzlicher Tod
Basel, 4. Juli 2026
Lieber Friedrich,
ich sitze nun schon einige Zeit vor dieser Karte und weiß nicht, was ich schreiben soll. Jedes Wort scheint falsch.
Silvias plötzlicher Tod trifft mich sehr. Eben waren wir noch gemeinsam im Kabarett …
Es tut mir unendlich leid, dass du diesen schmerzlichen Verlust ertragen musst.
Ich weiß, meine Zeilen können dich nicht trösten, doch du sollst wissen, ich bin in Gedanken bei dir.
In herzlicher Verbundenheit
Markus
Sonderfall Kondolenzschreiben beim Tod eines Mitarbeiters
Beim Tod eines Mitarbeiters, ist ein Kondolenzschreiben seitens des Dienstgebers angebracht. Dieses sollte von der Geschäftsführung geschrieben werden. Kondolieren ist eine Führungsaufgabe, die sich nicht zum Delegieren eignet.
Abhängig von der Unternehmensgröße können weitere Beileidsbekundungen durch den Betriebsrat, das Team bzw. die unmittelbaren Kollegen erfolgen.
Auch in diesem Fall gilt: bei der Wahrheit bleiben. Der Text darf selbstverständlich wertschätzend formuliert werden, übertriebenes nachträgliches Lob ist jedoch nicht angebracht.
Hier ist es aus meiner Sicht wichtig, nicht an der falschen Stelle zu sparen. Eine schlichte Trauerkarte oder neutrales Briefpapier bietet den Beileidsworten einen persönlicheren Rahmen als Firmenbriefpapier.
Beispiel Beileidsschreiben im beruflichen Kontext
Hamburg, 6. Juli 2026
Sehr geehrte Frau Weidinger,
mit Bedauern haben wir die Nachricht vom Tod Ihres Mannes erhalten.
Wir möchten Ihnen und Ihrer Familie unser aufrichtiges Beileid aussprechen.
Ihr Mann wurde von Kunden und Kollegen gleichermaßen für seine Fachkompetenz und kreativen Lösungen geschätzt. Ein “das geht nicht” gab es für ihn nicht.
Wir sind dankbar, dass er über 20 Jahre für unser Unternehmen tätig war.
In dieser schwierigen Zeit, wünschen wir Ihnen viel Kraft und Menschen an Ihrer Seite, die sie begleiten.
In aufrichtiger Anteilnahme
Die Geschäftsführung
Welche Formulierungen du in einem Kondolenzschreiben vermeiden solltest
Manche Worte sind gut gemeint und können trauernde Menschen dennoch verletzen oder unter Druck setzen. Die folgenden Beispiele zeigen, auf welche Formulierungen du besser verzichtest und warum.
“Nun ist er/sie erlöst … muss nicht mehr leiden”
Von aussen betrachtet mag dieser Gedanke tröstlich erscheinen. Vielleicht steckt dahinter auch der Versuch, dem Tod etwas Entlastendes abzugewinnen. Auch die Angehörigen wissen möglicherweise, dass der Tod dem Leiden ein Ende gesetzt hat, und haben sich vielleicht sogar gewünscht, dass der geliebte Mensch nicht länger leiden muss. Ist der Tod jedoch eingetreten, sieht das Empfinden oft anders aus: Die Trauer überwiegt und der Wunsch, der verstorbene Mensch wäre noch am Leben, steht im Vordergrund.
“Ihr war ein langes Leben vergönnt”
Auch der Hinweis auf das hohe Alter der verstorbenen Person ist als Trostversuch wenig hilfreich. Denn ob jemand 70, 80 oder 100 Jahre alt geworden ist, macht den Verlust für die Angehörigen nicht kleiner. Aus meiner Erfahrung in der Trauerbegleitung kann ich sagen: Wenn ein geliebter Mensch stirbt, fühlt sich jedes Alter zu jung an.
“Ich weiß wie es dir geht, ich habe auch meinen Partner verloren”
Dazu kann ich nur sagen: Welch ein Irrtum! Du weißt es nicht. Trauer ist individuell, und jeder Mensch erlebt sie auf seine ganz eigene Weise. Auch wenn du selbst einen ähnlichen Verlust erfahren hast, bedeutet das nicht, dass du weißt, wie sich dein Gegenüber gerade fühlt. Hüte dich deshalb vor Vergleichen mit deinen eigenen Verlusterfahrungen.
“Ich bin immer für dich da”
Biete deine Unterstützung bitte nur an, wenn du auch wirklich bereit bist, sie zu leisten. Spare dir Floskeln, die im Alltag kaum einzuhalten sind. Mache stattdessen ein konkretes Angebot, das du auch umsetzen kannst. Zum Beispiel: „Ich begleite dich gerne, wenn du das Grab von Frieda besuchen möchtest.“
“Melde dich, wenn du etwas brauchst”
Dieser Satz spiegelt meiner Meinung nach die Unsicherheit im Umgang mit Trauernden wider. Man möchte helfen, weiß aber nicht genau, wie und ob die Unterstützung überhaupt erwünscht ist.
Dabei wird allerdings oft übersehen, in welcher Situation sich die Hinterbliebenen befinden. Gerade in der ersten Zeit nach einem Verlust fehlt ihnen häufig die Kraft, selbst aktiv auf andere zuzugehen. Sie werden sich also möglicherweise gar nicht melden, auch wenn sie Hilfe dringend gebrauchen könnten.
Werde deshalb lieber selbst aktiv: Bring etwas zu essen vorbei, vielleicht einen Kuchen, oder biete ganz konkret deine Unterstützung an. Und akzeptiere auch, wenn dir gerade nicht geöffnet wird. Dann stelle die Verpflegung einfach vor die Tür. Insbesondere Menschen, die plötzlich alleine oder alleine mit ihren Kindern zurückgeblieben sind, haben mir mehrfach erzählt, wie dankbar sie für solche kleinen Aufmerksamkeiten waren.
“Die Zeit heilt alle Wunden”
Über diesen Satz ärgere ich mich jedes Mal, denn er ist schlichtweg falsch. Die Zeit allein heilt keine Wunden. Trauernde müssen vielmehr versuchen, den Verlust in ihr Leben zu integrieren und einen eigenen Umgang damit zu finden. Der Schmerz wird sich im Laufe der Zeit verändern, vielleicht weniger überwältigend werden und irgendwann mehr Raum für andere Gefühle lassen. Die Wunde selbst wird jedoch nie ganz verschwinden.
“Du musst jetzt stark sein und nach vorne schauen”
Mit diesem Satz werden Hinterbliebene unter Druck gesetzt – und das häufig viel zu früh. Einen Verlust zu verarbeiten, braucht Zeit. Trauer will gelebt werden und braucht Raum. Wird sie verdrängt oder unterdrückt, verschwindet sie deshalb nicht einfach. Sie kann sich auf andere Weise bemerkbar machen und zu einem späteren Zeitpunkt wieder an die Oberfläche kommen. Lass Trauernden deshalb die Zeit, die sie brauchen, und erwarte nicht, dass sie möglichst schnell wieder in ihren Alltag zurückfinden.
Fazit
Auch wenn du nun einige Anregungen und Formulierungshilfen kennst, ist es nicht immer einfach, die passenden Worte zu finden. Das ist verständlich. Trotzdem möchte ich dich darin bestärken, eine persönliche Karte zu schreiben. Du brauchst dafür keine kunstvollen Formulierungen. Es geht vielmehr darum, Verbundenheit spürbar zu machen und zu zeigen: Ich denke an dich.
Lesetipp
Wenn du besser verstehen möchtest, was Menschen nach einem Verlust erleben und wie du sie begleiten kannst, habe ich noch eine Leseempfehlung für dich: Das Buch Trauern mit Leib und Seele. Orientierung bei schmerzlichen Verlusten* ist meines Erachtens eines der besten Bücher zum Thema Trauer.
Dr. Klaus Onnasch berichtet aus der Sicht des Seelsorgers und Vaters, der den Tod seines Sohnes verarbeiten musste, über Trauer und deren Bewältigung.
Dr. Ursula Gast ergänzt seine Ausführungen mit ihrem Wissen als Ärztin und Psychotherapeutin und geht dabei insbesondere auf neuere Erkenntnisse der Hirnforschung ein.
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