Kreatives Schreiben Diverses

Gelesen: “Ein Haus mit vielen Zimmern: Autorinnen erzählen vom Schreiben” (edition fünf)

Treffpunkt Schreiben Gelesen Ein Haus mit vielen Zimmern
Veronika
Geschrieben von Veronika
Bewertung:
4/5

Fazit:

Eine vielfältige Sammlung von Essays, Gedichten und Erzählungen internationaler Autorinnen, die sich mit dem Thema Schreiben beschäftigen. Wer sich hauptsächlich handwerkliche Empfehlungen und Tipps erwartet, wird vielleicht enttäuscht sein. Der Bezug zum Thema Schreiben ist oft sehr weit gefasst. Dennoch ein absolut empfehlenswerter und inspirierender Lesestoff für alle Schreibbegeisterten und die, die es noch werden wollen.

Klappentext:

Die Welt der Schriftstellerin – wie sieht sie von innen aus? Ist Schreiben pures Glück, nüchterner Broterwerb, einsames Ringen um die Wahrheit? Für viele ist es ein Traum, der sie reizt und verlockt.

In einem nie gehörten Chor geben 14 große Autorinnen Einblick in die Geheimnisse ihrer Kunst. Sie machen sie zum Thema ihrer Geschichten, denken laut über die Wirkung von Texten nach und plaudern aus der Werkstatt der Büchermacherin. Mit spitzer Feder und scharfer Zunge bekennen sie sich, jede auf ihre Weise, zur lebenslangen Arbeit an der Sprache.

Rezension:

Cover Buch Ein Haus mit vielen Zimmern

Ein Haus mit vielen Zimmer: Autorinnen erzählen vom Schreiben* wurde von Sophia Jungmann und Karen Nölle im editionfünf Verlag herausgegeben und umfasst 19 Texte von 14 Autorinnen.

Ich habe das Buch zufällig beim Stöbern entdeckt, den Klappentext gelesen und sofort zugeschlagen. Ich war begeistert. Endlich ein deutschsprachiges Buch, das einen Einblick in die Schreibprozesse schreibender Frauen und „die Geheimnisse ihrer Kunst“ gewährt. Ich hatte sofort eine Textsammlung vor Augen, in der Empfehlungen und Tipps zum Schreiben gegeben werden ähnlich den Texten in Joan Bolkers The Writer‘s Home Companion: An Antohology of the World‘s Best Writing Advice, from Keats to Kunitz. Nach dem Lesen des Vorworts und der ersten Texte war ich daher enttäuscht. Und gleichzeitig auch sehr begeistert.

Die Essays, Erzählungen und Gedichte (Ja! Endlich auch mal Gedichte :-)) sind alle inspirierend und ziehen einen beim Lesen sofort in ihren Bann. Das Buch ist ein kurzweiliger Lesestoff, der nie ins Seichte abgleitet. Für mich war es die perfekte Sommerlektüre. Und (ich möchte bewusst nicht “aber” schreiben) das Thema Schreiben spielt in einigen der Texte eher eine Nebenrolle. Trotzdem erscheint mir die Auswahl der Texte in ihrer Gesamtheit gelungen. Allein der Untertitel Autorinnen erzählen vom Schreiben und der Klappentext der Sammlung wecken aus meiner Sicht andere Erwartungen, was den Fokus auf das Thema Schreiben betrifft, und scheinen mir daher nicht ganz stimmig.

In der Anthologie sind Texte folgender Autorinnen vertreten: Tania Blixen, Ali Smith, Margaret Atwood, Clarice Lispector, Sylvia Plath, Antje Rávic Strubel, Judith Schalansky, Virginia Woolf, Tove Jansson, Janet Frame, Nora Gomringer, Siri Hustvedt, Anna Seghers und Annette Phent.

Wer – wie ich – beim Lesen neue spannende Autorinnen für sich entdeckt und mehr über sie erfahren möchte, findet am Ende des Buchs die gesammelten Kurzbiografien aller Schriftstellerinnen sowie eine kurze Information zu den Übersetzerinnen der Texte.

Schreibtipps und -anregungen

Beim Lesen habe ich viele hilfreiche Tipps und Anregungen für mein eigenes Schreiben gefunden – hier eine kleine Auswahl:

Im Text Die leere Seite von Tania Blixen wird deutlich, welche erzählerische Kraft in einer leeren Seite steckt.

Warum eine Kurzgeschichte wie eine Nymphomanin ist und ein paar andere spanende Details zu dieser Erzählform, erfährt man/frau in Ali Smiths Erzählung Wahre Kurzgeschichte

Die Protagonistin aus Margaret Atwoods Erzählung Blaubarts Ei besucht den Schreibworkshop “Formen der fiktiven Erzählung”. Die Aufgabenstellungen, die sie dort bekommt, sind spannende Schreibimpulse und laden zum Ausprobieren ein.

In Fünf Erzählungen und ein Thema von Clarice Lispector lässt sich toll nachvollziehen, wie ein Perspektivenwechsel eine Erzählung beeinflusst. 

Daran, dass Bücher machen neben dem Schreiben auch die Gestaltung des Textes beinhaltet, erinnert Judith Schalansky in ihrem Text Wie ich Bücher mache

Annette Pehnt erklärt in ihrem Essay Am Ende, warum es schwierig ist, das Ende eines Textes zu schreiben.

Ein schön gestaltetes Buch

Einen Gedanken aus Judith Schalanskys Text möchte ich noch einmal aufnehmen.

Keinem Autor kann egal sein, in welcher Form sein Text seinen Lesern begegnet. Schließlich ist sie der Ort der Begegnung. Es ist eine Verabredung, bei der sich eine Seite bereits im Vorfeld ganz und gar festgelegt hat. Einen unmateriellen Text gibt es nicht.

Judith Schalansky, Wie ich Bücher mache

Daher soll nicht unerwähnt bleiben, dass es sich bei Ein Haus mit vielen Zimmern* um ein extrem schön gestaltetes Buch handelt. Ein Buch, das zum Lesen einlädt. Ein Buch, das man einfach gerne anschaut und gerne in der Hand hält. Ein Buch, das sich daher auch wunderbar als Geschenk eignet :-).

Eckdaten:

Gebundene Ausgabe: 232 Seiten, mit Lesezeichen

Verlag: edition fünf

Erscheinungsdatum: 26. August 2015

ISBN: 978-3-942374-71-2

Sprache: Deutsch

Preis: EUR 20,90 [A]; EUR 19,90 [D]

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Bildquelle: Treffpunkt Schreiben (Ausschnitt Titelseite Buch), edition fünf

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