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Schreibimplus – Wärme

Geschrieben von Veronika

Manchmal will es mit dem Schreiben einfach nicht klappen, das Blatt Papier bleibt leer. Von Schreibfluss oder in den Flow kommen – keine Spur. Dann helfen Schreibimpulse. 

Du schreibst nicht gerne alleine?

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Wir treffen uns jeden dritten Freitag im Monat online, um den aktuellen Schreibimpuls zu schreiben. Mehr Infos und den Link zur Anmeldung findest du hier.

Treffpunkt Schreiben, Schreibimplus, Wärme, warm

Anfang Februar geht mir die Freude an der kalten Jahreszeit  verloren. Es ist dann schon zu lange zu kalt, zu dunkel, zu grau. Mir fehlt die Wärme, die Sonne, Licht. 

Das liegt auch daran, dass Wien (eine ansonsten wunderbare und absolut lebenswerte Stadt) im Winter fest in den Fängen des Hochnebels ist. Eine graue Nebelsuppe, egal wohin man/frau schaut. Kurz: Der/Die Wiener*in sieht die Sonne tage-, ja manchmal sogar wochenlang einfach nicht. Es ist kalt und grau.

Mein Plan ist daher, gegen dieses kalte Dauergrau anzuschreiben und die Wärme wiederzufinden. Wenn schon nicht vor der Haustür, dann zumindest in mir selbst. Die eigene innere Wärme zurückholen und aufs Papier bringen, das ist der Plan. 🌞🔥🌻☕️⛱🛀

Wie das funktionieren kann, erkläre ich dir in diesem Schreibimpuls Schritt für Schritt. #schreiblos

Schritt 1: Wärme mit allen Sinnen beschreiben

Sehen: Wie sieht Wärme aus?

Sammle deine Ideen zu folgenden Fragestellungen in Form einer Liste, eines Clusters oder eines Freewritings:

  • Wenn du an Wärme denkst, welche Bilder erscheinen vor deinem inneren Auge?
  • Welche Farbe bzw. Farbnuance oder Farbkombination ist besonders warm? Wie lässt sich diese beschreiben? Welchen Namen würdest du ihr geben?

Die Pantone Color of the Year 2021, die eigentlich aus zwei Farben besteht 🤔, wird als “praktisch, solide und erwärmend optimistisch” beschrieben. Wenn du möchtest, lass dich auch von dieser Liste von Farbnamen inspirieren, die die beschriebene Farbe nicht als Wortbestandteil enthalten. (Quelle: sternenvogel.de)

 

Hören: Wie klingt Wärme?

Sammle deine Ideen zu folgenden Fragestellungen in Form einer Liste, eines Clusters oder eines Freewritings:

  • Wie klingt Wärme? Welche Vergleiche fallen dir ein? Wärme klingt wie…
  • Welche Geräusche, welche Musik erinnern dich an Wärme?
  • Gibt es ein Wort/Wörter, die für dich warm klingen, wenn du sie liest oder aussprichst? Welche/s?

Als Inspiration kannst du dir z. B. den “Sommer” (L’Estate) aus Vivalidis 4 Jahreszeiten anhören. 👂☀️🎧

Schmecken: Wie schmeckt Wärme?

Sammle deine Ideen zu folgenden Fragestellungen in Form einer Liste, eines Clusters oder eines Freewritings:

  • Welche Gerichte/Lebensmittel verbindest du mit Wärme?
  • Welche Gerichte/Lebensmittel schmecken “warm” (auch wenn sie kalt sind)?
  • Welchen Geschmack verbindest du mit Wärme?
  • Welche Vergleiche kannst du ziehen? Wärme schmeckt wie …
  • Wenn du einen Menüplan für ein 3-gängiges Menü (Vorspeise, Hauptspeise, Nachspeise) zum Thema Wärme gestalten müsstest, was würdest du servieren?

Riechen: Wie riecht Wärme?

Sammle deine Ideen zu folgenden Fragestellungen in Form einer Liste, eines Clusters oder eines Freewritings:

  • Wie riecht Wärme für dich? Womit lässt sich dieser Geruch vergleichen? Wärme riecht wie…
  • Gibt es ein Parfum, das aus deiner Sicht Wärme vermittelt. Wie lässt sich dieser Duft beschreiben?

Fühlen: Wie fühlt sich Wärme an?

Sammle deine Ideen zu folgenden Fragestellungen in Form einer Liste, eines Clusters oder eines Freewritings:

  • Wie fühlt sich Wärme für dich an? Womit lässt/lassen sich diese/s Gefühl/e vergleichen?
  • In welcher/n Situation/en taucht ein Gefühl von Wärme bei dir auf?

Schritt 2: Die Wärme zu Papier bringen

Du hast jetzt einige Ideen gesammelt, wie sich Wärme beschreiben/erleben lässt.

Nimm dir 20-30 Minuten Zeit und schreib einen Text mit dem Titel Wärme. Die Textsorte bleibt ganz dir überlassen. Du kannst ein Gedicht schreiben, einen Dialog, ein Märchen, einen Brief, ein Rezept, eine Beschreibung,…

Die einzige Vorgabe: Die Wörter "Wärme" und "warm" dürfen (außer in der Überschrift) in deinem Text nicht vorkommen.

Trotzdem soll das Gefühl von Wärme beim Lesen des Textes entstehen und spürbar sein. Vielleicht fühlst du die Wärme beim Schreiben sogar selbst. 

Erzähl mir nicht, dass der Mond scheint. Zeig mir seinen Schimmer auf einem Stück zerbrochenem Glas.

Anton P. Tschechow

Beispieltexte zum Schreibimpuls:

Die folgenden Texte zum Thema “Wärme” stammen von TeilnehmerInnen unseres Online-Schreibabends am 19. Februar 2021. Wir freuen uns sehr, dass wir diese tollen Beispiele hier veröffentlichen dürfen 😊.

Wärme.

Einschlafen. Eintauchen in eine Welt, die mich bereitwillig aufnimmt, die mich umfängt und auffängt, die sich meinem Zugriff und Begreifen entzieht, mich einhüllt, die mich in wohlig-weiche Watte packt. Schlaf verbannt die Kälte, im Schlaf bekommt sie mich nicht zu fassen, kommt nicht an meine Haut und nicht an mein Herz. Im Schlaf ist alles gedämpft. Ein wohliges Geborgensein wie ein Versprechen von dir in mein Ohr gehaucht: „Solange du hierbleibst, wirst du nicht frieren – weil ich da bin, dich umarme.“
Im Schlaf spüre ich deine Nähe als wärst du noch da, als wärst du nur ein Aufwachen entfernt.

Sabine Indinger

Brief an die Sonnenblume

Du liebste aller Blumen, die Du auf der Wiese neben der Weizklamm stehst – jedes Jahr wie neugeboren – und Du, die ich immer wieder an genau jenem Moment aufsuche, an dem die triste, graue Spätwinterzeit zu Ende geht, und junge Sonnenstrahlen Hoffnung bringen: ich werde es dieses Jahr auslassen.

Du hast es vielleicht schon gehört: Corona macht Ausgänge schwierig, zeitweise gefährlich, und ich liebe meine Gesundheit. An des Besuches statt schreibe ich diesen Brief an Dich, ein Treffen auf literarischer Ebene. Ich schriebe Dir, was ich vermisse, in der Hoffnung, dass ich es weniger vermisse.

Zarte Sonnenstrahlen, die durch das nebelverhangene Grau dringen, bringen Aufstreben und Glanz. Es ist der Moment, an dem ich am offenen Fenster stehe, und den Frühling hereinlasse. Solare Strahlen an den Augen, der Geruch von frisch gemähtem Gras, dampfendes Shawarma auf der Platte, und aus dem Radio blubbert „Bolero“: bam bababaaa . Die Kraft der Sonne berührt mich, dringt unter die Haut, und generiert Energie. Es ist dieselbe Energie, die Wald und Wiese aus dem Tiefschlaf holt, und dem Getier und Gewächs neuen Mut einhaucht. Zarte Blüten, die wachsen, Pollen, die fliegen, Bienen, die sich daran nähren. Und mitten auf der Wiese: Du – zart noch, aber beständig wachsend.

Es ist die Zeit, an der ich aus den Pantoffeln schlurfe, und mich strecke und dehne. Der Körper wächst und zeigt sich, ein lustvolles Gefühl entsteht im Magen, und dieses Gefühl breitet sich im Fleisch aus bis zu dem Punkt, an dem ich den gemütlichen Hausanzug abstreife. Auf die sonnige Wiese zu gehen ist für mich wie der Spaziergang über den indischen Bazar. Und so, wie ich mich an den Gewürzen aller Art erfreue, so tue ich das ganz besonders, wenn ich Zimt, Ingwer und Pfeffer rieche und schmecke. Und wenn ich über die Wiese gehe, dann erfreue ich mich an allen Blumen, aber ganz besonders an Dir, Sonnenblume. Vom zarten Früchtchen zu einer gewaltigen Dame gereift, aus der Knospe prächtige, runde Blätter gebärend – in zart-strahlendem Gelb. Jedes Blatt rund und formschön und um die Mitte angeordnet. Flauschig weich wie Watte, angenehm zu ertasten wie Samt.

Die Geräusche von Wald und Wiese beruhigen wie leises Schnarchen neben mir, und es duftet wie nach gerösteten Zwiebeln. Und während ich meine Sehnsucht stille und nähre, expandiert genau wieder jene Lust in mir, der Magen fühlt sich wohlig und zufrieden an, der Blick nach vorne gerichtet, die Lippen schwulstig und die Augen klar. Ein Tanz auf der Wiese im orangefarbenen Shirt, der Duft der nach oben schwebt und sich in den Schafswolken verliert.

Als Abschluss ein Zauberspruch: Rhabarber, Rhabarber, achttausendacht, die Sonne von oben in mir nun erwacht.

Andreas Reckendorfer

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Bildquelle: Canva

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2 Kommentare

    • Hallo Manuela, Danke, dass du deine Ideen mit uns teilst :-). Das Bild mit dem Kanal habe ich sofort vor Augen. Das finde ich sehr spannend, weil sich die Wärme hier ja vor allem auch durch die Kälte rundherum zeigt. Toll. Rhabarber. Lecker. Sommer. Warm. Mhhhm!
      Alles Liebe

      Veronika

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